Forschungsfinanzierungen
Anträge und Bewilligungen von Forschungsfinanzierungen nach Geschlecht
Für das Innovationsgeschehen ist die Finanzierung von Forschungsideen von zentraler Bedeutung. Die beiden größten geldgebenden Institutionen im Bereich Forschung und Entwicklung in Deutschland sind das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)* und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Hier ist von Interesse, wie häufig Frauen Anträge für eine Forschungsfinanzierung stellen und ob sich die Erfolgsquoten bei der Bewilligung von Anträgen für Frauen und Männer unterscheiden.
Vergleicht man die Anzahl der eingereichten Anträge, wird auf den ersten Blick deutlich, dass Männer im Jahr 2022 deutlich häufiger Anträge auf Forschungsfinanzierung stellen als Frauen. Insgesamt gingen 9.619 Anträge durch männliche Antragstellende ein. Frauen reichten dagegen lediglich 3.720 Anträge ein. Damit wurden 27,9 Prozent aller Anträge von Forscherinnen eingereicht. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist der Anteil nur um 1,5 Prozentpunkte gestiegen (nicht grafisch dargestellt). Die niedrigere Anzahl an Frauen, die einen Forschungsantrag abgeben, ist zwar auch darauf zurückzuführen, dass Frauen weniger als ein Drittel aller Forschenden im Bereich Forschung und Entwicklung stellen und es damit rein quantitativ weniger forschende Frauen als Männer gibt (vgl. Frauen in Forschung und Entwicklung). Der Frauenanteil unter Forschenden an Hochschulen (als Großteil der Antragstellenden bei den Förderinstitutionen1), liegt allerdings mit 39,4 Prozent deutlich über der Beteiligung an Forschungsanträgen.
Die Erfolgsquoten, also die Anzahl der bewilligten Anträge im Verhältnis zu den eingereichten Anträgen, ist für Frauen und Männer nahezu gleich: Von den 3.720 eingereichten Anträgen der Frauen im Jahr 2022 wurden 1.156 und damit 31,1 Prozent aller Anträge bewilligt. Bei den Männern wurden 31,8 Prozent der 9.619 gestellten Anträge bewilligt, so dass hier insgesamt 3.063 Forschungsvorhaben im Jahr 2022 finanziert wurden.
Forschungsfinanzierung nach Forschungsgebiet
Den größten Anteil der Forschungsanträge macht bei Frauen und Männern die Forschung im Bereich Medizin und Gesundheitswissenschaften aus: Hier erfolgten bei den Frauen 42,4 Prozent (1.579 Einreichungen) von den insgesamt 3.720 eingereichten Anträgen, bei den Männern waren dies im gleichen Fachgebiet 33.3 Prozent (3.199 Einreichungen von insgesamt 9.619). Während bei den Frauen die Sozialwissenschaften das zweitgrößte Forschungsgebiet mit 1.218 Einreichungen und einem prozentualen Anteil von 32,7 Prozent einnehmen, steht dieser Bereich mit 18,9 Prozent (1.820 Einreichungen) bei den Männern an letzter Stelle (Anteile nicht grafisch dargestellt).
Bei den Männern machen hingegen Anträge im Forschungsgebiet Ingenieurwesen und Technik mit 26,8 Prozent (2.576 Einreichungen) einen großen Anteil aller Anträge aus. Ähnliches gilt für die Naturwissenschaften, in denen 21 Prozent aller Einreichungen der männlichen Forschenden erfolgten. Hier liegen Frauen deutlich zurück: Nur 526 Einreichungen und damit 14,1 Prozent aller Anträge erfolgten im Bereich Naturwissenschaften. Das Forschungsgebiet Ingenieurwesen und Technik macht mit 397 Einreichungen sogar nur 10,7 Prozent aller von Forscherinnen eingereichten Forschungsanträge aus. Zusammen gesehen kommen damit nur rund ein Viertel aller von Frauen eingereichten Forschungsanträge aus dem MINT-Bereich (Anteile nicht grafisch dargestellt).
Die Erfolgsquoten variieren auch innerhalb der einzelnen Forschungsgebiete kaum nach Geschlecht der Antragstellenden. Die Erfolgsquoten liegen geschlechterübergreifend zwischen 28,2 und 34,2 Prozent. Die größte Differenz zwischen den Erfolgsquoten von Männern und Frauen besteht im Bereich Ingenieurwesen & Technik, die Erfolgsquote liegt hier bei Anträgen von Frauen (34 Prozent) um 2,7 Prozentpunkte höher als die bei Anträgen von Männern (31,3 Prozent).
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Frauen deutlich seltener Forschungsanträge einreichen (auch relativ auf die Anzahl der Forscherinnen gesehen) als Männer. Die Erfolgsquoten bei den eingereichten Anträgen unterscheiden sich im Jahr 2022 jedoch nur unwesentlich zwischen Frauen und Männern.
Literatur
Literatur
1 Deutsche Forschungsgemeinschaft (2023): Chancengleichheits-Monitoring 2023. Antragstellung, Begutachtung und Gremienaktivität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Berichtsjahr 2022.
Weiterführende Publikationen
Europäische Kommission, Generaldirektion Forschung und Innovation (2025): She figures 2024: Gender in research and innovation: statistics and indicators. Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union.
zur PublikationDeutsche Forschungsgemeinschaft (2023): Chancengleichheits-Monitoring 2023. Antragstellung, Begutachtung und Gremienaktivität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Berichtsjahr 2022.
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Datenquelle:
Europäische Kommission; Directorate-General for Research and Innovation 2025; She figures 2024: gender in research and innovation: statistics and indicators, Europäische Kommission; Directorate-General for Research and Innovation 2021; She figures 2021: gender in research and innovation: statistics and indicators
Anmerkungen:
- Die Daten beziehen sich auf Forschungsfinanzierungen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
- Die Zuordnung der Forschungsgebiete entspricht der Gliederung der OECD (2015) in:
natural scienes, engineering and technology, medical and health sciences, agricultural and veterinary sciences, social sciences, humanities and the arts.
Für die Forschungsgebiete „agricultural and veterinary“ und „humanities and the arts“ haben DFG und BMFTR für 2022 keine Anträge angegeben.
Weitere Informationen in: OECD (2015): Frascati Manual 2015: Guidelines for Collecting and Reporting Data on Research and Experimental Development, The Measurement of Scientific, Technological and Innovation Activities, OECD Publishing, Paris.