meta-IFiF

#3FragenAn das Projekt FrauenOrte NRW

Innovative Frauen und ihre Wirkungsstätten in NRW: Das Projekt FrauenOrte NRW macht sie sichtbarer.

Grafik: #3FragenAn Saskia Bellem, Projektleiterin von FrauenOrte NRW c/o FrauenRat NRW e.V.

meta-IFiF hat mit der Projektleiterin Saskia Bellem gesprochen und nachgefragt, warum diese Erinnerungsorte wichtig sind. 

Die FrauenOrte NRW erzählen Geschichten von Frauen, die das gesellschaftliche, politische und kulturelle Leben in Nordrhein Westfalen geprägt haben. Ob Pädagoginnen, Politikerinnen, Malerinnen, Widerstandskämpferinnen oder Wissenschaftlerinnen – ihre Lebenswege waren oft innovativ, mutig und wegweisend. An den Orten, an denen sie gewirkt haben, machen Informationstafeln ihre Leistungen sichtbar, würdigen ihre Erfolge und zeigen sie als historische Vorbilder, die bis heute inspirieren. 

Mittlerweile wurden 57 Frauen an 52 Orten in 32 Kommunen ausgezeichnet und das Projekt wächst weiter: Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW fördert das vom FrauenRat NRW e.V. getragene Projekt ein weiteres Jahr und setzt damit ein klares Zeichen für die Sichtbarmachung von Frauengeschichten. Im Jahr 2026 werden acht weitere FrauenOrte eröffnet. 

Um mehr über die Frauen, ihre Orte und die Zukunft des Projekts zu erfahren, hat meta-IFiF der Projektleiterin Saskia Bellem drei Fragen gestellt: 

#3FragenAn Saskia Bellem

Der öffentliche Raum ist männlich geprägt. Europaweit tragen nur zehn Prozent aller nach Menschen benannten Straßen Frauennamen, bei Statuen und Denkmälern kommen wir sogar nur auf einstellige Prozentsätze. In ganz Deutschland gibt es genau eine Hochschule, die nach einer Frau benannt ist: Die Alice Salomon Hochschule in Berlin. Das macht etwas mit uns und unserer Wahrnehmung, wenn Frauen im öffentlichen Raum kaum vorkommen. Es suggeriert uns: Sie waren und sind nicht wichtig, haben nichts Wichtiges beigetragen. Genau hier setzt unser Projekt an: Indem wir Infotafeln für historische Frauen aufhängen und -stellen, die im Kleinen wie Großen Bedeutendes geleistet haben, rücken wir diese Schieflage zurecht. Es geht am Ende um Gerechtigkeit. 

Die Resonanz ist uneingeschränkt positiv. Ich arbeite seit September 2023 im Projekt, zunächst als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, seit zwei Jahren als Leiterin. Seitdem gab es genau einen negativen Kommentar zu "Gender-Gedöns" auf Instagram (interessanterweise von einer Frau).
Ansonsten: universelle Liebe. Menschen verstehen, warum es richtig und wichtig ist, Leistungen anzuerkennen. Auch medial schlägt sich das Projekt in Lokal- und Regionalmedien vielfach nieder, etwa wenn die geehrten Frauen in ihren Kommunen bekannte Persönlichkeiten waren oder sie ein bleibendes Erbe hinterlassen haben wie bspw. die "Mutter des Grundgesetzes" Dr. Elisabeth Selbert in Bonn, oder die Schöpferin der DFB-Meisterschale, Goldschmiede-Professorin Elisabeth Treskow in Bochum. 

Oh, so einiges! Neben acht weiteren FrauenOrten wird es in diesem Jahr vorrangig darum gehen, die gewonnenen Erkenntnisse zu sichern und Maßnahmen zu entwickeln, um das Projekt auf stabile Beine zu stellen. Wir wollen Modelle und Veranstaltungsformate kreieren sowie langfristige Kooperationen etablieren, um die bestehenden FrauenOrte fortlaufend zu bespielen. Denn eine Infotafel ist ein essenzieller erster Schritt, auf den unbedingt weitere Schritte folgen müssen, um diesen FrauenOrt mit Leben zu füllen. Ich hätte wahnsinnig gerne einen Podcast, um die gesammelten Lebensgeschichten auch auf der Tonspur und ortsunabhängig zugänglich zu machen. An Ideen mangelt es uns nicht.