Projekt im Fokus: Malerinnen_Videos

Das Projekt "100 Malerinnen – 100 Kurzportrait-Videos" macht Künstlerinnen vergangener Jahrhunderte sichtbar, die aus der Kunstgeschichte verdrängt oder vergessen wurden. In kurzen, prägnanten Videoporträts werden Leben, Werk und Bedeutung der Malerinnen aufbereitet und über YouTube einem breiten, internationalen Publikum zugänglich gemacht. Die Videos erscheinen auf einem deutschsprachigen sowie einem internationalen Kanal und sind mit Untertiteln in bis zu 37 Sprachen versehen. Begleitend werden die Videos über Social Media und als Wanderausstellung verbreitet. 

Im Interview gibt Projektleiterin Anabel Derlam Einblicke in die Konzeption, Umsetzung und Übertragbarkeit des Ansatzes auf andere Fachgebiete. 

Frau Derlam, wie kam es zu der Idee für das Projekt "100 Malerinnen"? Inwiefern adressieren Sie damit einen Gender Gap? 

Die Idee zu unserem Projekt "100 Malerinnen" entstand aus der Beobachtung, dass Frauen in der Kunstgeschichte deutlich unterrepräsentiert sind. Über Jahrhunderte hinweg war der Zugang zu Ausbildung, Akademien und Märkten für Frauen nur sehr eingeschränkt möglich. Gleichzeitig wurde Kunstgeschichtsschreibung lange von männlichen Perspektiven geprägt.

Dadurch sind zahlreiche Künstlerinnen entweder in Vergessenheit geraten oder nie in den kunsthistorischen Kanon aufgenommen worden. Unser Projekt adressiert ganz gezielt den Gender Gap in der Kunstgeschichte, indem es vergessene und verdrängte Positionen sichtbar macht und damit bestehende Narrative erweitert und korrigiert. 

Warum haben Sie sich für Kurzportrait-Videos auf YouTube als zentrales Format entschieden?  

Kurzportrait-Videos auf YouTube sind niederschwellig, international zugänglich und besonders geeignet, komplexe Inhalte kompakt zu vermitteln. Das Format ermöglicht es, kunsthistorisches Wissen verständlich und visuell ansprechend aufzubereiten. YouTube bietet zudem eine hohe Reichweite und die Möglichkeit, Inhalte dauerhaft verfügbar zu machen. Untertitel in mehreren Sprachen erhöhen die globale Zugänglichkeit. 

Erklärvideos eignen sich außerdem gut für Museen, Ausstellungen oder Bildungseinrichtungen, da sie flexibel einsetzbar sind – etwa als Einführung, Ergänzung zu Exponaten oder digitale Vermittlungsangebote. 

Nach welchen Kriterien wählen Sie die 100 Malerinnen aus? Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?  

Bei der Auswahl der 100 Malerinnen orientieren wir uns an verschiedenen Kriterien: kunsthistorische der Aspekt der bislang fehlenden Sichtbarkeit spielt eine Rolle. Bedeutung, Innovationskraft, regionale Vielfalt, zeitliche Streuung und unterschiedliche Stilrichtungen. Auch der Aspekt der bislang fehlenden Sichtbarkeit spielt eine Rolle. 

Bei der Recherche hat uns vielfach überrascht, wie viele Künstlerinnen in ihrer Zeit erfolgreich und anerkannt waren, später jedoch aus dem kollektiven Gedächtnis verschwanden. Ebenso beeindruckend ist die Qualität und Vielfalt der Werke, die lange kaum Beachtung fanden. 

Der Schriftzug: "Malerinnen_Videos: 100 Kurzporträtvideos zu Malerinnen vom Mittelalter bis zur Moderne aus dem deutschsprachigen Raum" steht links neben einem Screenshot des Videos zu Magdalena de Passe, einer Kupferstecherin.

Wie sind die Videos inhaltlich aufgebaut, und warum ist eine einheitliche Struktur wichtig?  

Die Videos folgen einer klaren Struktur: 

  • Einführung
  • Lebensweg 
  • Malstil und Motive 
  • Bekannte Werke 
  • Lebenswerk 

Eine einheitliche Struktur sorgt für Wiedererkennungswert, Vergleichbarkeit und didaktische Klarheit. Sie erleichtert dem Publikum die Orientierung und unterstützt eine konsistente Wissensvermittlung. 

Neben der Veröffentlichung auf YouTube sollen die Malerinnen-Videos auch über Social Media und eine Wanderausstellung bekannt gemacht werden. Was haben Sie da geplant und wie ist die Resonanz? 

Begleitende Social-Media-Aktivitäten erhöhen Reichweite und Interaktion. Einzelne Werke, Zitate oder Hintergrundinformationen eigenen sich sehr gut, um in kurzen Beiträgen geteilt und diskutiert zu werden. Mit einer Wanderausstellung wollen wir das digitale Format in den physischen Raum hinein erweitern und Zielgruppen erreichen, die möglicherweise nicht aktiv auf YouTube nach kunsthistorischen Inhalten suchen. 

Die Resonanz auf solche Projekte ist häufig positiv, insbesondere im Bildungsbereich und bei kulturinteressierten Zielgruppen, da sie einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung kultureller Erinnerung leisten. 

Sehen Sie Möglichkeiten das Konzept der Kurzportrait-Videos als Instrument der Sichtbarmachung auf andere Disziplinen zu übertragen? 

Das Konzept der Kurzportrait-Videos lässt sich gut auf andere Fachgebiete übertragen – etwa auf Wissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen, Komponistinnen oder Akteurinnen der Politik- und Sozialgeschichte.

Überall dort, wo strukturelle Unsichtbarkeit oder einseitige Geschichtsschreibung besteht, können kompakte, gut zugängliche Videoformate zur Sichtbarmachung beitragen und öffentliche Wahrnehmung nachhaltig verändern. Wir hätten da bereits einige Ideen, beispielsweise "100 Forscherinnen, die Grundlagen gelegt haben", "100 Schriftstellerinnen aus den Epochen", "100 Komponistinnen von Barock bis heute" oder "100 Politikerinnen, die Geschichte schrieben".