IFiF-ProjekteFrankfurt a.M. - Öffentlich Lost in Archives

Tagung "Unsichtbare Urteile"

Marcel Reich-Ranicki, Walter Jens, Denis Scheck – der Literaturkritiker scheint bis heute vor allem ein Mann zu sein. Die Tagung “Unsichtbare Urteile. Literaturkritikerinnen in der Aufklärung und Romantik“, die vom IFiF-Projekt "Lost in Archives“ veranstaltet wird, möchte dieses Bild durch eine historische Perspektive auf die Entwicklung der Literaturkritik revidieren. 

Die Veranstaltung hinterfragt, dass Literaturkritik ein Bereich gewesen sein soll, in dem Frauen abwesend waren und macht Literaturkritikerinnen sichtbar. Dadurch entfalten sich neue Ansätze für die Genese des systematischen Nachdenkens über Literatur. Poetik, Hermeneutik und Kritik – wichtige Felder in der universitären Lehre – werden noch immer nahezu ausschließlich als Domänen gelehrt und tradiert, in denen Frauen abwesend waren. Dabei gibt es Annahmen, dass schon im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Frauen als Kritikerinnen tätig waren. Ihre Kritik ist jedoch, aus unterschiedlichen Gründen, unsichtbar geblieben.   

Jenseits der fehlenden Sichtbarkeit wird danach gefragt, welche Rolle Geschlecht für das Selbstverständnis der Kritikerinnen gespielt hat: Mussten Kritikerinnen behutsamer urteilen?  Kollidierten "imaginierte Weiblichkeit“ (Silvia Bovenschen) und normative Geschlechterrollen mit der Position der Kritikerin? Bildeten sich Kritikerinnen-Netzwerke? Gab es Spezifika weiblicher Literaturkritik und wenn ja, wie können diese beschrieben werden, ohne in Essentialismen zu entgleiten? Welche Bedeutungen nehmen andere Kategorien von Zugehörigkeiten ein? Und: Wie unterscheidet sich weibliche Kritiktätigkeit in verschiedenen Sprach- und Textkulturen?  

Eine Anmeldung für die Tagung vor Ort ist nicht erforderlich. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, online per Zoom teilzunehmen. Dafür ist eine Anmeldung per Mail an Marília Jöhnk (kontakt@marilia-joehnk.de) oder Grace Evans (g.evans@em.uni-frankfurt.de) nötig.