Frauenanteil an FuE-Personal
Wie hoch ist der Frauenanteil unter den Forschenden in Deutschland?
Der Bereich Forschung und Entwicklung (im Folgenden kurz FuE) ist stark mit dem Innovationsbegriff und -geschehen verknüpft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definiert „Forschung und Entwicklung“ als „schöpferische und systematische Arbeit zur Erweiterung des Wissensstands – einschließlich des Wissens über die Menschheit, die Kultur und die Gesellschaft – und zur Entwicklung neuer Anwendungen auf Basis des vorhandenen Wissens.“1 Diese Definition sowie von der OECD entwickelte Leitlinien zur Quantifizierung von FuE bilden die Grundlage für die amtliche Statistik in Deutschland in diesem Bereich.
FuE umfasst die Sektoren Wirtschaft, Hochschule und Staat. Der Wirtschaftssektor besteht aus privaten und staatlichen Unternehmen, Institutionen für industrielle Gemeinschaftsforschung und experimentelle Gemeinschaftsentwicklung sowie privaten Institutionen ohne Erwerbszweck, die überwiegend von der Wirtschaft finanziert werden bzw. vornehmlich Dienstleistungen für Unternehmen erbringen. Der Hochschulsektor beinhaltet alle Universitäten, technische Hochschulen, Fachhochschulen und sonstige Einrichtungen des Tertiärbereichs, unabhängig von ihren Finanzierungsquellen und ihrem rechtlichen Status. Der Staatssektor deckt die öffentlichen Einrichtungen für Wissenschaft und FuE, gemeinsam von Bund und Ländern geförderte Einrichtungen für Wissenschaft und FuE, sonstige öffentlich geförderte Organisationen ohne Erwerbszweck für Wissenschaft und FuE sowie wissenschaftliche Bibliotheken und Museen ab.
Frauen in Forschung und Entwicklung nach Personalgruppen
Im Bereich Forschung und Entwicklung gibt es drei Personalgruppen. „Forschende“ sind gleichzusetzen mit dem wissenschaftlichen Personal und sind Fachkräfte, die mit der Konzipierung und Hervorbringung neuer Kenntnisse befasst sind. In der Regel verfügen Forscher*innen über einen Hochschulabschluss. Das „Technische Personal“ sind Personen, die wissenschaftliche und fachspezifische Aufgaben in Verbindung mit FuE, normalerweise unter Leitung und Aufsicht einer Forscher*in, ausführen. Zum „Sonstigen Personal“ zählen Facharbeiter*innen, gelernte und ungelernte Hilfskräfte sowie Verwaltungs-, Sekretariats- und Bürokräfte, die bei FuE-Projekten mitwirken oder direkt dafür tätig sind.
Im Jahr 2023 sind insgesamt 27,6 Prozent des FuE-Personals in Deutschland Frauen (227.563 von insgesamt 824.396 Personen).* Von diesen Frauen sind etwas mehr als die Hälfte (53,4 Prozent) Forscherinnen, entsprechend gehören 46,6 Prozent dem technischen und sonstigen Personal an (nicht grafisch dargestellt).
Setzt man die Anzahl der Frauen in Relation zu den in den jeweiligen Personalgruppen arbeitenden Männern, dann zeigt sich, dass im Jahr 2023 Frauen mit 32,8 Prozent zu einem höheren Anteil beim technischen und sonstigen Personal vertreten sind als unter den Forschenden mit 24,3 Prozent. Im Zeitraum von 2001 bis 2023 haben sich die Frauenanteile in den einzelnen Personalgruppen nur geringfügig verändert. Der Frauenanteil am FuE-Personal insgesamt ist von 25,2 Prozent im Jahr 2001 auf 27,6 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Die Anzahl von weiblichen Beschäftigten in Forschung und Entwicklung ist seit 2003 kontinuierlich angestiegen und hat sich im betrachteten Zeitraum um rund 100.000 Beschäftigte erhöht.
Der Frauenanteil unter den Forschenden ist von 16,1 Prozent im Jahr 2001 auf 24,3 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Die Gesamtzahl an weiblichen Forschenden hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt, von 42.588 Forscherinnen im Jahr 2001 auf 121.421 Forscherinnen im Jahr 2023 (nicht grafisch dargestellt). Dagegen hat sich der Frauenanteil beim technischen und sonstigen Personal im betrachteten Zeitraum kaum verändert und ist von 36,3 Prozent im Jahr 2001 auf 32,8 Prozent im Jahr 2023 sogar leicht gesunken. Die Gesamtzahl an weiblichen Beschäftigten in dieser Personalgruppe ist in diesem Zeitraum vergleichsweise konstant und hat sich innerhalb von 20 Jahren nur um rund 30.000 Beschäftigte auf 106.142 erhöht (nicht grafisch dargestellt).
Forscherinnen in den Sektoren Wirtschaft, Hochschule und Staat
Im Folgenden wird vor allem die Gruppe der Forschenden in den Blick genommen, da diese am unmittelbarsten mit der Entwicklung von Innovationen befasst ist. Der Frauenanteil unter den Forschenden in Deutschland ist im Zeitraum von 2001 bis 2023 insgesamt kontinuierlich gestiegen, wenn auch nur in kleinen Schritten. Insgesamt bewegt sich der Frauenanteil eher auf einem niedrigen Niveau: Von 16,1 Prozent im Jahr 2001 stieg der Anteil von Frauen unter den Forschenden in allen Sektoren (Hochschule, Staat und Wirtschaft) um 8,2 Prozentpunkte auf 24,3 Prozent im Jahr 2023. Unter allen Forschenden im Wirtschafts-, Hochschul- und Staatssektor machen Frauen damit rund ein Viertel des Personals aus.
Betrachtet man die Entwicklung des Frauenanteils in den einzelnen Sektoren, zeigen sich deutliche Unterschiede:
Der Wirtschaftssektor stellt mit 312.852 Forschenden im Jahr 2023 den größten Sektor (500.166 Forschende insgesamt über alle Sektoren) und umfasst damit über die Hälfte aller Forschenden im FuE-Bereich (nicht grafisch dargestellt). Im Wirtschaftssektor sind über den gesamten Zeitraum anteilig gesehen die wenigsten Frauen als Forscherinnen tätig. Im Jahr 2001 betrug der Frauenanteil hier nur 11,7 Prozent und stieg bis zum Jahr 2023 auf 16,0 Prozent. Im Jahr 2023 sind 262.887 der Forschenden in der Wirtschaft Männer und nur 49.965 Frauen.
Ausführlichere Informationen finden Sie hier: Forscherinnen im Wirtschaftssektor
Der Hochschulsektor beschäftigt rund ein Viertel aller Forschenden in Deutschland (nicht grafisch dargestellt). Im Jahr 2023 sind dies 121.503 von den insgesamt 500.166 Forschenden. Der Frauenanteil unter den Forschenden lag hier im Jahr 2001 bei 22,4 Prozent und stieg bis zum Jahr 2023 auf 39,3 Prozent an. In diesem Sektor sind anteilig die meisten Forscherinnen tätig, die Frauenanteile liegen im betrachteten Zeitraum mit Ausnahme der Jahre 2001 und 2003 (anteilig etwas mehr Frauen im Staatssektor) kontinuierlich über den Frauenanteilen im Staats- und im Wirtschaftssektor. Auch absolut betrachtet sind Frauen im Hochschulsektor am stärksten vertreten. Im Jahr 2023 sind hier 47.747 Frauen und 73.756 Männer als Forschende beschäftigt.
Ausführlichere Informationen finden Sie hier: Forscherinnen im Hochschulsektor
Im Jahr 2023 sind rund 13 Prozent der Forschenden in Deutschland (65.844 von insgesamt 500.166) im Staatssektor beschäftigt (nicht grafisch dargestellt). Davon sind 23.682 Frauen und 42.265 Männer. Der Frauenanteil unter den Forschenden bewegt sich hier im betrachteten Zeitverlauf auf einem ähnlichen Niveau wie im Hochschulsektor. Von 22,9 Prozent im Jahr 2001 ist der Anteil von Frauen auf 35,9 Prozent im Jahr 2023 gestiegen.
Ausführlichere Informationen finden Sie hier: Forscherinnen im Staatssektor
* Die Anzahl der Forschenden wird als Vollzeitäquivalente und nicht als Anzahl an Personen angegeben. Ein Vollzeitäquivalent ist die tatsächliche von Beschäftigten in FuE für Forschung aufgewendete Arbeitszeit umgerechnet in Vollzeitkräfte.
Literatur
Literatur
1 OECD (2015): Frascati Manual 2015: Guidelines for Collecting and Reporting Data on Research and Experimental Development, The Measurement of Scientific, Technological and Innovation Activities, OECD Publishing, Paris.
Weiterführende Publikationen
BMBF (2024): Bundesbericht Forschung und Innovation 2024. Forschungs- und innovationspolitische Ziele und Maßnahmen. (Heute: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt – BMFTR.)
zur Publikation
Hinweise zu den Daten
Anleitung zum Download der Grafik und Daten:
Die Grafiken und die zu Grunde liegenden Daten können jeweils durch einen Linksklick auf die drei Striche rechts oben am Rand der Grafik heruntergeladen werden. Bei Weiterverwendung der Grafiken oder Daten bitten wir um Angabe der Quellen.
Datenquelle:
Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Berechnungen; EUROSTAT, Datenbank FuE-Personal (rd_p); Statistisches Bundesamt ("GENESIS-Online Datenbank - 21811 Ausgaben, Einnahmen, Personal öffentlicher Forschungseinrichtungen", Sonderauswertung); Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Sonderauswertung; Datenportal BMFTR: Tabelle 1.7.2 (BuFI 16): FuE-Personal nach Geschlecht, Sektoren und Personalgruppen (Vollzeitäquivalent)
Anmerkungen:
- Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes und des Stifterverbands Wissenschaftsstatistik; Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung
- Zur Berechnung/Schätzung der Anteile an Hochschulpersonal, die auf FuE entfallen, werden FuE-Koeffizienten verwendet, die im Jahr 2017 zuletzt überprüft und angepasst wurden. Zur Methodik: Statistisches Bundesamt (2018): Forschung und Entwicklung an Hochschulen: Überprüfung der FuE-Koeffizienten 2017.
- Das Rahmenwerk für die amtliche FuE-Statistik bildet das Frascati-Manual, das Leitlinien zur Definition und Messung von FuE enthält: OECD (2015): Frascati Manual 2015: Guidelines for Collecting and Reporting Data on Research and Experimental Development, The Measurement of Scientific, Technological and Innovation Activities, OECD Publishing, Paris.
Zuordnung Sektoren:
- Wirtschaftssektor: private und staatliche Unternehmen, Institutionen für industrielle Gemeinschaftsforschung und experimentelle Gemeinschaftsentwicklung sowie private Institutionen ohne Erwerbszweck, die überwiegend von der Wirtschaft finanziert werden bzw. vornehmlich Dienstleistungen für Unternehmen erbringen.
- Hochschulsektor: alle Universitäten, technische Hochschulen, Fachhochschulen und sonstige Einrichtungen des Tertiärbereichs, unabhängig von ihren Finanzierungsquellen und ihrem rechtlichen Status.
- Staatssektor: öffentliche Einrichtungen für Wissenschaft und FuE, gemeinsam von Bund und Ländern geförderte Einrichtungen für Wissenschaft und FuE, sonstige öffentlich geförderte Organisationen ohne Erwerbszweck für Wissenschaft und FuE, wissenschaftliche Bibliotheken und Museen.
Definition Personalgruppen FuE:
- Forschende: Forscherinnen und Forscher sind Fachkräfte, die mit der Konzipierung und Hervorbringung neuer Kenntnisse befasst sind. Sie betreiben Forschung und verbessern bzw. entwickeln Konzepte, Theorien, Modelle, Techniken, Instrumente, Software oder Verfahren. Forscherinnen und Forscher verfügen in der Regel über einen Hochschulabschluss. Aber auch anderes FuE-Personal, das über einen Sekundarabschluss und mehrjährige Berufserfahrung verfügt, kann in einem gegebenen Kontext ähnliche Aufgaben übernehmen wie eine Forscherin oder ein Forscher.
- Technisches Personal: Technisches Fachpersonal sind Personen, die wissenschaftliche und fachspezifische Aufgaben in Verbindung mit FuE, normalerweise unter Leitung und Aufsicht einer Forscherin oder eines Forschers, ausführen.
- Sonstiges Personal: Zum sonstigen Personal zählen Facharbeiterinnen und Facharbeiter, gelernte und ungelernte Hilfskräfte sowie Verwaltungs-, Sekretariats- und Bürokräfte, die bei FuE-Projekten mitwirken oder direkt dafür tätig sind.
Quelle: BMBF (2024): Bundesbericht Forschung und Innovation 2024. Daten und Fakten zum deutschen Forschungs- und Innovationssystem
Einschränkungen / Brüche in den Daten:
- Die Darstellung beschränkt sich auf ungerade Jahre, da für gerade Jahre keine Angaben zum weiblichen FuE-Personal im Wirtschaftssektor vorliegen.
- Seit dem Berichtsjahr 2023 wendet das Statistische Bundesamt bei den Daten zum FuE-Personal im Staatssektor die Cell-Key-Methode zur Wahrung der statistischen Geheimhaltung an. Dadurch kann die ausgewiesene Gesamtzahl der Forschenden von der Summe der ausgewiesenen männlichen und weiblichen Forschenden abweichen. Für die eigene Berechnung der Frauenanteile wurden die ausgewiesenen Werte für Männer und Frauen verwendet.