meta-IFiF

Handlungsempfehlungen für mehr Sichtbarkeit

Im Rahmen der IFiF-Impulse-Vortragsreihe stellte meta-IFiF zentrale Erkenntnisse und praxisorientierte Empfehlungen zur Sichtbarkeit innovativer Frauen in Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft vor.

Grafik für Nachbericht IFIF-Impulse "Handlungsempfehlungen für die Praxis" am 7. Juli 2026

Der Vortrag bot einen ersten Einblick in die Handreichung "Innovative Frauen sichtbar machen", die aktuell vom Metavorhaben meta-IFiF erstellt wird und in der die Erkenntnisse aus den 36 Projekten der BMFTR-Förderrichtlinie "Innovative Frauen im Fokus" gebündelt und mit Best-Practice-Beispielen aus anderen Projekten und Organisationen angereichert werden.  

Sichtbarkeit als Voraussetzung für Teilhabe und Innovation 

Ausgangspunkt des Vortrags war die weiterhin bestehende Geschlechterungleichheit in Wissenschaft, Wirtschaft und Innovation. Die Referentinnen Julia Meyer und Ines Großkopf zeigten auf, dass Frauen nach wie vor in Führungspositionen, in Forschung und Entwicklung sowie bei innovationsbezogenen Leistungen wie Patentanmeldungen, Gründungen oder Publikationen unterrepräsentiert sind. Diese geringere Repräsentanz wirkt sich unmittelbar auf Sichtbarkeit, Anerkennung und Karrierechancen aus.  

Darüber hinaus wurde deutlich, dass sich Ungleichheiten nicht nur in der Anzahl sichtbarer Frauen zeigen, sondern auch in der Wahrnehmung ihrer Leistungen. Frauen erhalten seltener wissenschaftliche Auszeichnungen, sind in Lehrplänen und wissenschaftlichen Kanones weniger präsent und treten deutlich seltener als Expertinnen in den Medien auf. Dadurch werden bestehende Vorstellungen darüber, wer als innovativ und exzellent gilt, fortlaufend reproduziert.  

Die Referentinnen betonten, dass die geringere Sichtbarkeit von Frauen nicht auf fehlende Leistungen zurückzuführen ist. Vielmehr wirken verschiedene strukturelle Barrieren zusammen. Dazu zählen u.a. geschlechterstereotype Rollenbilder, fehlende oder unzureichende Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie geschlechtsbezogene Verzerrungen bei der Bewertung von Kompetenz und Leistung.  

Vier Handlungsfelder für mehr Sichtbarkeit 

In der Handreichung von meta-IFiF sind die Empfehlungen für mehr Sichtbarkeit in vier zentrale Handlungsfelder eingeteilt. 

1. Sichtbarkeit strukturell verankern 

Organisationen sollten Sichtbarkeit und Gleichstellung als strategische Ziele verstehen und dauerhaft in ihren Strukturen verankern. Dazu gehören verbindliche Zielvereinbarungen, transparente Verfahren, geschlechtersensible Kommunikation sowie die systematische Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven. Vorgestellt wurde unter anderem die Initiative "25 in 25" des Instituts für Informatik OFFIS, das durch konkrete Zielgrößen und organisationsweite Maßnahmen den Frauenanteil Im Unternehmen nachhaltig erhöhen konnte.  

2. Sichtbarkeit langfristig erhöhen 

Sichtbarkeit entsteht nicht durch Einzelaktionen, sondern durch kontinuierliche und strategisch geplante Maßnahmen. Organisationen sollten Daten zur Repräsentanz nutzen, Fachbereiche aktiv einbinden und Expertinnen systematisch erfassen. Als Beispiele wurden die Video-Portrait-Reihe "Women in STEM" des Max Delbrück Centers sowie verschiedene Expertinnendatenbanken wie #InnovativeFrauen oder Speakerinnen.org vorgestellt. Diese Angebote tragen dazu bei, qualifizierte Expertinnen sichtbarer und leichter auffindbar zu machen.  

3. Innovative Frauen als Role Models sichtbar machen 

Role Models spielen eine wichtige Rolle bei der Auflösung stereotyper Berufsbilder. Nach dem Motto "You have to see it, to be it" schaffen sie Orientierung, stärken Selbstvertrauen und machen Karrierewege sichtbar. Dabei sollte jedoch die fachliche Expertise im Mittelpunkt stehen und nicht das Geschlecht. Vorgestellt wurden unter anderem die Initiative "Role Models in Tech" des Unternehmens Otto sowie das IFiF-Projekt "Secret Service" der Senckenberg Gesellschaft, das historische und aktuelle Beiträge von Frauen in den Naturwissenschaften sichtbar macht.  

4. Frauen für Sichtbarkeit empowern 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Unterstützung von Frauen bei der selbstbestimmten Gestaltung ihrer Sichtbarkeit. Die Referentinnen machten deutlich, dass Sichtbarkeit nicht ausschließlich Chancen bietet, sondern auch mit Risiken wie Anfeindungen, Diskriminierung oder Hate Speech verbunden sein kann. Deshalb sollten Organisationen Beratungs- und Unterstützungsangebote schaffen. Als Beispiel wurde das Programm "Sichtbar zu eigenen Konditionen" der Universität Bielefeld vorgestellt, das Wissenschaftlerinnen dabei unterstützt, individuelle Strategien für ihre öffentliche Sichtbarkeit zu entwickeln.  

Roadmap: Von Einzelmaßnahmen zum Kulturwandel 

Abschließend präsentierte das Projektteam eine Roadmap für Organisationen, die mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung fördern möchten. Diese reicht von der strategischen Verankerung entsprechender Ziele über Strukturveränderungen und Kompetenzaufbau bis hin zu Kommunikation, Evaluation und Verstetigung erfolgreicher Maßnahmen. Das Ziel besteht nicht allein darin, Frauen sichtbarer zu machen, sondern faire Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Sichtbarkeit, Anerkennung und Teilhabe selbstverständlich werden.