Die „versäumten Bilder“ machen Versäumnisse der Vergangenheit sichtbar. Sie visualisieren historische Momente, die aus verschiedenen Gründen keine bildliche Dokumentation erfahren haben. Sie bringen Anerkennung und Wertschätzung, die innovativen und forschenden Frauen lange vorenthalten blieb. Nicht selten trugen Männer in ihrer Umgebung die Lorbeeren – und Nobelpreise – nach Hause.
"Mein großer Traum ist, dass es inspiriert – und dass Institute jetzt in ihren Archiven schauen, welche Frauen nicht sichtbar sind. Es gibt Frauen in der Wissenschaft, die wirklich kein einziges Bild haben, allenfalls ein Passbild auf der Personalakte. Für mich ist das aber kein repräsentatives Portrait.“
Gesine Born, Wissenschaftskommunikatorin
(Quelle: www.bmftr.bund.de ab Minute 4:30)
Die „versäumten Bilder“ sind eine ganz eigene Sichtbarkeitsmaßnahme, wie wir sie im Metavorhaben schon zahlreich gesammelt und gebündelt dargestellt haben, um der Unterrepräsentation von Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation zu begegnen (siehe dazu vertiefende Daten und Fakten im Infopool sowie den Tagungsband der IFiF-Fachtagung). Über die „versäumten Bilder“ ist eine außergewöhnliche und visuelle Intervention zu diesem Thema möglich. Denn die Bilder sprechen die Betrachter*innen emotional an und fordern sie auf besondere Weise zur Auseinandersetzung auf verschiedenen Ebenen heraus – auf der (gleichstellungs-)politischen Ebene sowie technisch und ethisch im Hinblick auf die Nutzung von künstlicher Intelligenz. So erreichen wir noch mehr Menschen, die zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation sowie einer angemesseneren Anerkennungskultur beitragen können.
Da die Wanderausstellung mit jedem Ausstellungsort um ein neues „versäumtes Bild“ wächst, wird jede Institution stark in den gesamten Prozess involviert. Sie recherchiert zunächst in den eigenen Archiven nach den innovativen Leistungen einer früheren Forscherin oder Pionierin, die nie für diesen wichtigen Beitrag gewürdigt wurde oder deren Anteil inzwischen in Vergessenheit geraten ist. Damit wird ein Reflexionsprozess über die Mechanismen des Erinnerns und Vergessens sowie über Macht und Repräsentation angestoßen und eingefordert, in dem eine Auseinandersetzung mit den Gründen der bisherigen Unsichtbarkeit der Leistungen erfolgt und auch die aktuelle Sichtbarkeit der innovativen Frauen der Forschungseinrichtung thematisiert wird. Die gesamte Arbeits- und Anerkennungskultur der Institution wird in den Blick genommen und einer kritischen Überprüfung unterzogen, um sicherzustellen, dass die strukturellen Hindernisse abgebaut werden und ein solches „Vergessen“ zukünftig verhindert wird.
Der Prozess, der hinter dem neu erstellten und für die Geschichte der Institution individuell bedeutsamen versäumten Bild liegt, entwickelt so eine nachhaltige Wirkkraft in Fragen der Repräsentation und Sichtbarkeit von Frauen in innovativen Prozessen der Institution.