meta-IFiF

Online-Vernetzungstreffen der IFiF-Projekte im April 2026

Am 28. und 29. April 2026 trafen sich Vertreter*innen der Projekte aus der BMFTR-Förderrichtlinie "Innovative Frauen im Fokus" (IFiF-Projekte) zu einem Online-Vernetzungstreffen.

Im Zentrum der Veranstaltung standen der Austausch über (Zwischen‑)Ergebnisse, die Diskussion zentraler Erkenntnisse sowie Fragen der Sichtbarkeit von Projektergebnissen in den Medien. Das Treffen wurde vom Metavorhaben "Innovative Frauen im Fokus" (meta‑IFiF) organisiert. Projektleiterin Christina Rouvray und Veranstaltungs- und Projektkoordinatorin Katrin Rulle moderierten die Veranstaltung.

Am ersten Tag des Treffens standen die zentralen Aktivitäten der IFiF-Projekte im Mittelpunkt. Im Anschluss an insgesamt vier Projektvorstellungen bot sich in Barcamps die Möglichkeit, den Austausch untereinander zu konkreten Fragestellungen und Erfahrungen zu vertiefen.

(Zwischen-)Ergebnisse und Learnings aus den IFiF-Projekten

Folgende Projekte aus der Förderrichtlinie "Innovative Frauen im Fokus" nutzten die Gelegenheit, den Vertreter*innen der anderen Projekte ihre (Zwischen-)Ergebnisse und Learnings zu präsentieren und gemeinsam zu diskutieren.

GREEN - Gender-Research in Ecological Economics Network

Das Projekt GREEN (Constructor University Bremen) hat das Ziel, den Einfluss von Frauen auf die ökologische Transformation zu analysieren, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und strukturelle Veränderungen zu fördern. Tomke Hartmann stellte zentrale Arbeitspakete vor: (1) Ein systematisches Literaturreview bündelt zentrale Erkenntnisse, identifiziert Wissenslücken und leitet eine Forschungsagenda ab. (2) Quantitative Studien zu Gender und Teilbereichen der ökologischen Transformation liefern evidenzbasierte Ergebnisse. (3) Qualitative Interviews mit nachhaltigen Gründerinnen zeigen Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für Sichtbarkeit in der Praxis auf und tragen zugleich zu mehr Sichtbarkeit bei. Im „Transfer- und Kommunikation“ werden die Ergebnisse aufbereitet und strukturell verankert, u. a. über die Projektwebsite, LinkedIn, eine Datenbank sowie Workshops.

Als zentral hob Tomke Hartmann den Methodenmix hervor, der Qualität und Robustheit der Ergebnisse erhöht. Dazu zählen der Einsatz von KI-Tools im Literaturreview sowie multimodale Erhebungsformate (online, schriftlich, vor Ort), die die Beteiligung von Interviewpartnerinnen erhöhten. Ergänzt wird dies durch Vernetzungsaktivitäten, durch die umfangreiche Datenbestände (u. a. 30.000 Startup- und 50.000 Investmentdatensätze) erschlossen werden konnten.

Für den Bereich Kommunikation und Sichtbarkeit wurden folgende Learnings hervorgehoben: Ergebnisse frühzeitig und schon parallel zur Forschung teilen, Inhalte verständlich aufbereiten sowie geeignete Kanäle und Formate gezielt nutzen. Zudem zeigte sich, wie wichtig es ist, Veröffentlichungszeitpunkte zu berücksichtigen und Reaktionen wie Kommentare und Erwähnungen im Blick zu behalten. Abschließend unterstrich Tomke Hartmann noch einmal die Bedeutung von Netzwerken und Kooperationen.

Innovation! Frauen. Energie. (IFE)

Das Projekt Innovation! Frauen. Energie. (WECF Deutschland e.V.) wurde von Yvonne Mrukwa und Pia Wieser vorgestellt. Ziel des Projekts ist es, die Sichtbarkeit innovativer FLINTA* im Energiesektor zu stärken und sie als Rollenvorbilder, insbesondere für Schülerinnen, sichtbar zu machen.

Folgende Projektergebnisse wurden bereits erreicht: (1) der Aufbau des Observatoriums energierevolte.org (Start am 11. Oktober 2025), das als "Wall of Fame" historische und aktuelle weibliche Vorbilder bündelt, (2) die Erstellung von Informations- und Videoinhalten für die Plattform energierevolte.org sowie (3) der Start des TikTok-Kanals (@energierevolte), der jungen Menschen, insbesondere jungen Frauen, einen niedrigschwelligen Zugang zu MINT- und Energiethemen ermöglichen soll.

Als Learnings bei der Entwicklung der Website wurden die frühe Einbindung aller Beteiligten, klare Briefings und Rollen sowie iterative Feedback-Schleifen mit der Zielgruppe hervorgehoben. Zudem wurde die notwendige "Übersetzungsarbeit" zwischen Agentur, Inhaltsteam und Zielgruppe betont. In Bezug auf die Bildsprache zeigte sich, wie wichtig es ist, Diversität – etwa nicht-binäre und trans Personen sowie vielfältige Arbeitskontexte – von Beginn an mitzudenken. Bei der Videoproduktion wurde deutlich, dass es herausfordernd ist, einen lebensnahen Zugang zu Energiethemen zu schaffen und Inhalte zugleich verständlich und nicht zu komplex aufzubereiten. Darüber hinaus gestaltete sich die Recherche historischer Pionier*innen aufwendiger als erwartet; zudem mussten Rechte- und Lizenzfragen frühzeitig geklärt werden.

Für TikTok wurden folgende zentrale Learnings benannt: eine klare Zielgruppenstrategie, der Einsatz prägnanter Hooks und Storytelling-Elemente, regelmäßige Veröffentlichungen, eine wirkungsvolle Postproduktion sowie ein frühzeitig geklärter Umgang mit Hate Speech.

SeeHerTech

Dr. Regina Hagl und Daniel Danzl gaben Einblicke in das Projekt SeeHerTech (Universität Paderborn & TU München), das Kommunikationsstrategien von Frauen in der Hochtechnologiebranche untersucht. Im Fokus stehen die Identifikation individueller Strategien, deren Wirkung auf unterschiedliche Zielgruppen sowie deren kontextabhängige Wirksamkeit und Umsetzbarkeit. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse soll mit "SeeMyTech" ein KI‑gestütztes Kommunikationstool entwickelt werden, das evidenzbasierte Reflexion bietet und Frauen in Wissenschaft und Unternehmertum dabei unterstützt, eine passende Sichtbarkeitsstrategie zur Präsentation ihrer Innovationen zu entwickeln.

Methodisch verfolgt SeeHerTech einen breiten Ansatz: Es wurden qualitative Interviews mit sichtbaren Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen geführt und durch Kurzinterviews ergänzt. Hinzu kommen Fallstudien zum Kommunikationsverhalten in Online- und klassischen Medien sowie Interviews mit Wissenschaftsjournalist*innen und Gatekeepern im unternehmerischen Ökosystem. Die Ergebnisse wurden vergleichend ausgewertet. Darauf aufbauend ist eine quantitative Feldstudie geplant, die individuelle und kontextuelle Faktoren im Zusammenhang mit Sichtbarkeit und Kommunikation untersucht außerdem werden Experimentalstudien durchgeführt, um kausale Zusammenhänge zu untersuchen.

Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass Sichtbarkeit von den Befragten teilweise als komplex und teilweise unvorhersehbar ("Wie sind sie auf mich aufmerksam geworden?"), zugleich aber auch als bedingt steuerbar wahrgenommen wird. Häufig besteht zudem das Bedürfnis, klare Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit zu ziehen.

Einige Unterschiede zeigen sich zwischen Wissenschaft und Unternehmertum: Im Unternehmertum ist Sichtbarkeit häufig unmittelbar mit Unternehmenserfolg, Finanzierung und Zielgruppen wie Kund*innen und Investor*innen verknüpft. In der Wissenschaft hingegen erscheint Sichtbarkeit oft als zusätzliches Engagement neben der Forschung und ist je nach Karrierephase unterschiedlich stark ausgeprägt.

WIM – Wissenschaftlerinnen in die Medien

Prof. Dr. Judith Ackermann, Anna-Sophie Barbutev und Anne-Kathrin Gerlieb stellten Learnings aus dem Projekt "Wissenschaftlerinnen in die Medien" (FH Potsdam) vor. Das Projekt, das vom 01.10.2022 bis zum 30.09.2025 durchgeführt wurde, verfolgte das Ziel, die Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen in der Öffentlichkeit nachhaltig zu erhöhen, insbesondere durch mehr Präsenz in digitalen Kanälen und darüber auch in klassischen Medien. Gleichzeitig untersuchte das Projektteam die Ursachen für die mediale Unterrepräsentation von Wissenschaftlerinnen und bezog dafür sowohl die Perspektiven von Wissenschaftlerinnen als auch von Medienschaffenden ein.

Ein Learning des Projekts: Während Empowerment insbesondere auf Mikroebene wirksam ist, bestehen strukturelle Hürden auf allen Ebenen fort. Für nachhaltige Sichtbarkeit werden daher eine aktive Community als Sichtbarkeitsstruktur, ausreichend Zeit sowie institutionelle Anerkennung und Unterstützung benötigt. Insbesondere der Aufbau einer Social-Media-Sichtbarkeitsinfrastruktur erweist sich als zeitintensiv und erfordert kontinuierliches Management.

Um Redaktionen dabei zu unterstützen, mehr weibliche Expertinnen in ihre Berichterstattung einzubeziehen, hat WIM Handlungsempfehlungen erarbeitet und veröffentlicht. Gleichzeitig wurde auf Social Media eine „digitale Bühne“ aufgebaut: Unter @diewissenschaftlerinnen erreichen die Kanäle auf Instagram, LinkedIn und TikTok rund 10.000 Personen. Über die Plattformen wurde eine aktive Community mit Beteiligungsformaten wie #ichbinwissenschaftlerin, „Eine Frau, ein Buch“ und dem Podcast „Kopf und Kuchen“ aufgebaut. Darüber hinaus bestehen laufende Kooperationen sowie ein ausdrücklich formulierter Wunsch nach weiterer Vernetzung, um die Sichtbarkeitsarbeit über die Projektlaufzeit hinaus fortzuführen. Dank einer Förderung der FH Potsdam kann das Projekt derzeit teilweise weitergeführt werden.

In drei anschließenden parallelen Barcamp-Sessions wurden vertiefende Themen aus den Projekten diskutiert. Im Fokus standen dabei psychologische Einflussfaktoren auf das Sichtbarkeitshandeln von Wissenschaftler*innen, mögliche negative Effekte von Sichtbarkeit sowie Fragen der Kanonbildung in unterschiedlichen Fachdisziplinen.

Wie kommen Projektergebnisse in die Medien?

Der zweite Tag des IFiF-Online-Vernetzungstreffens stand im Zeichen der Frage, wie Projektergebnisse so aufbereitet werden können, dass sie in den Medien Gehör finden. Den Tag gestalteten die meta-IFiF-Beirätinnen Ingalena Klute (SWR), Sissi Pitzer (Journalistinnenbund e.V.) und Stephanie Keppler (ZDF). In drei parallelen Workshops arbeiteten die Teilnehmenden an der zentralen Leitfrage: Wie wird aus meiner Forschung eine Story?

Zu Beginn gab Sissi Pitzer anhand der Nachrichtenwerttheorie einen Einblick in die Journalismusforschung. Sie stellte die Nachrichtenfaktoren nach Prof. Winfried Schulz vor: Zeit, Nähe, Status, Dynamik, Valenz und Identifikation beeinflussen, welche Themen für Redaktionen relevant sind. Anschließend zeigten die Beirätinnen Beispiele für die Darstellung wissenschaftlicher Themen in unterschiedlichen Medien. Dabei wurde deutlich, dass Kriterien wie Nähe, Aktualität oder Visualisierung eine entscheidende Rolle spielen.

Im anschließenden Workshop entwickelten die Teilnehmenden beispielhaft für drei Projekte medienrelevante Narrative. Als Orientierung dienten Leitfragen – vom zugrunde liegenden Problem und der im Projekt erarbeiteten Lösung über die Neuigkeit der Ergebnisse bis hin zur Frage, welche Aspekte auch für fachfremde Zielgruppen interessant sind. Im Fokus standen dabei insbesondere überraschende, emotionale oder praxisnahe Anknüpfungspunkte sowie die Überlegung, welche Inhalte Menschen weitererzählen könnten. Abschließend wurden die in den Gruppen erarbeiteten Ansätze im Plenum vorgestellt.

Zum Abschluss des Vernetzungstreffens teilten die drei Expertinnen praxisnahe Hinweise zur Medienarbeit. Dabei ging es unter anderem um Fragen wie: Welche Themen eignen sich für welche Medien und Formate? Wie viel persönliche Sichtbarkeit ist sinnvoll, wenn Projektergebnisse medial platziert werden sollen? Wo suchen Redakteur*innen nach Expert*innen? Und an wen können sich Projekte konkret wenden, um ihre Themen einzubringen?

Wichtige Hinweise waren unter anderem, geeignete Formate sorgfältig zu recherchieren und gezielt anzusprechen. Dazu zählen auch spezialisierte Social-Media-Kanäle, die von Medien betrieben werden und deren Inhalte häufig für weitere Formate aufgegriffen werden. Zudem wurde betont, wie entscheidend es ist, gut auffindbar und ansprechbar zu sein – etwa über die Website der eigenen Institution, über Expert*innendatenbanken oder LinkedIn.

Der kollegiale Austausch und die Praxiseinblicke durch die Medienexpertinnen machten das zweitägige Vernetzungstreffen zu einem Erfolg. Die Beteiligten der IFiF‑Projekte konnten vielfältige Erfahrungen teilen und voneinander lernen.