IFiF-Projekte

Tagungsbericht von Lost in Archives

Lost in Archives

Auf der Tagung "Unsichtbare Urteile", die vom 4. bis 6. März 2026 in Frankfurt am Main stattfand, widmete sich das IFiF-Projekt der Frage: "Wie können Literaturkritikerinnen sichtbarer werden?".

Gruppenfoto: Tagung "Unsichtbare Urteile. Literaturkritikerinnen in der Aufklärung und Romantik" von Lost in Archives, 4.- 6. März 2026, Frankfurt a.M.
Gruppenfoto: Tagung "Unsichtbare Urteile. Literaturkritikerinnen in der Aufklärung und Romantik" von Lost in Archives, 4.- 6. März 2026, Frankfurt a.M.

Der Literaturkritiker als Beurteilungsinstanz literarischer Arbeit scheint, historisch sowie kontemporär, vor allem als Mann verstanden zu werden. Die Tagung "Unsichtbare Urteile" machte sich zum Ziel, eben dieses vorherrschende Narrativ der Literaturkritik als Männerdomäne historisch zu hinterfragen und für Literaturkritikerinnen zu sensibilisieren. Ausgangspunkt der Tagung war das in der IFiF-Förderlinie eingebettete BMFTR-Forschungsprojekt Lost in Archives, in dessen Rahmen die Organisatorinnen Marília Jöhnk und Grace Evans seit Oktober 2024 forschen. 

Die Referentinnen beleuchteten in insgesamt 16 Vorträgen Beispiele von Literaturkritikerinnen aus Deutschland, Frankreich, Kolumbien, Argentinien, Rumänien und England, die eindeutig belegen, dass die Literaturkritik auch schon in der Aufklärung und Romantik ebenso eine Sphäre der Frauen* war. Darüber hinaus haben sich insbesondere transnationale Bezüge herausgestellt, unterstützt von Einblicken in kontemporäre Kritikerinnen sowie die Digital Humanities.

Ein weiteres Leitmotiv war die mitunter politische Dimension der Literaturkritik. Die Gründe für die Unsichtbarkeit von Frauen in der Literaturkritik wurden ausgehend von systemischen Ansätzen eruiert – dass es den behandelten Frauen nicht an Urteilsvermögen oder gar der scharfen Zunge des Kritikers mangelte, wurde anhand der Textbeispiele sehr deutlich. 

Über die Vorträge und Diskussionen kristallisierten sich einige Leitfragen heraus: Wie definieren wir Literaturkritik? Und leistet eine enge Definition von Literaturkritik, wie sie vor allem in Deutschland prävaliert, womöglich einen Beitrag zur Unsichtbarmachung literaturkritischer Frauen? Wie können wir Literaturkritikerinnen sichtbar erhalten? Und wie können diese kritischen Stimmen nachhaltig hörbar gemacht werden? Welchen Einfluss haben darauf Recherchemöglichkeiten und Datensammlungen?  

Mithilfe der interphilologischen Beiträge konnte die Tagung einen wichtigen Anfang für einen historischen Forschungsaustausch zu Literaturkritikerinnen begründen. Die Ergebnisse dieser Tagung, sowie weitere themenrelevante Forschungsergebnisse aus dem Lost in Archives-Teilprojekt zu Literaturkritik, werden in einem Tagungsband im Open Access-Format im kommenden Jahr bei transcript erscheinen. Die Tagung wurde von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert.  

Autorin: Deborah Segger, Lost in Archives