meta-IFiF

Unternehmenskommunikation & PR für mehr Sichtbarkeit

Welche Akteur*innen spielen eine Rolle bei der Sichtbarmachung innovativer Frauen im Unternehmenskontext? Welche Maßnahmen sind erfolgreich? Expertinnen diskutierten bei IFiF-Impulse.

Frauen leisten mit ihren Innovationen einen zentralen Beitrag zur wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung. Dennoch stehen in der öffentlichen Wahrnehmung eher die Männer im Fokus, während die Frauen mit ihren innovativen Leistungen nur selten sichtbar werden.

Wie können Unternehmenskommunikation und PR dazu beitragen, das zu ändern und innovative Frauen mit ihren Leistungen und ihrer Expertise sichtbarer zu machen? 

In der interdisziplinären Online-Diskussion stand diese Frage für die Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis im Zentrum. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Christina Rouvray, Projektleitung meta-IFiF. An der Diskussionsrunde teilgenommen haben:

  • Dr. Lara Altenstädter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) und am Institut für Soziologie der Universität Duisburg Essen. Im IFiF-Projekt EXENKO hat sie sich mit wissenschaftlicher Exzellenz beschäftigt. Im Projekt wurden Instrumente entwickelt, die Kommunikations- und Gleichstellungsverantwortliche, Hochschulleitungen, Personalentwicklung sowie Wissenschaftlerinnen dabei unterstützen, die Sichtbarkeit und Anerkennung weiblicher Wissenschaftlerinnen zu erhöhen.
    Zur EXENKO-Handreichung „Exzellenz entdecken und kommunizieren“
  • Prof. Dr. Kerstin Ettl, Professorin am Campus Bocholt der Westfälischen Hochschule für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Management unter Berücksichtigung von Gender und Diversity. Im Rahmen des IFiF-Projekts “WE! – Westfälische Erfinderinnen“ hat sie modellhaft Maßnahmen zur Steigerung der Sichtbarkeit innovativer Frauen in regionalen Innovationsökosystemen entwickelt.
    Zur Toolbox "WE! Innovatorinnen sichtbar machen"
  • Prof. Dr. Sylvia Hubner-Benz, Professorin für Internationales Management an der Universität Paderborn. Sie erforscht im IFiF-Projekt SeeHerTech die Kommunikation von Frauen in der Hochtechnologiebranche mit dem Ziel, diese möglichst individuell passend für die jeweiligen Innovatorinnen gestalten zu können.
    Zum Projektsteckbrief von SeeHerTech
  • Katja Mayer, Pressesprecherin der Bertelsmann Stiftung. Sie ist verantwortlich dafür, die Europa-Expert*innen der Stiftung in relevanten Medien zu positionieren. In der Diskussionsrunde brachte sie ihre langjährige Erfahrung im Bereich PR und Kommunikation im Wirtschaftskontext ein und erläuterte Strategien, wie Kommunikationsabteilungen gezielt Sichtbarkeit für Expertinnen gestalten können.

Warum sollten Unternehmen Frauen gezielt sichtbar machen?

Mit dieser Frage startete Christina Rouvray die Diskussionsrunde. Zentrale Aspekte, die hier genannt wurden, waren der Business Case – die Tatsache, dass diverse Teams unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Denkweisen zusammenbringen und dadurch kreativere Ideen entstehen, der Moral Case – die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, niemanden zu benachteiligen sowie die Vorbildfunktion von Frauen, die eine Signalwirkung für potenzielle weibliche Nachwuchskräfte hat.

„Sichtbarkeit schafft Realität“, so brachte es Katja Mayer von der Bertelsmann Stiftung auf den Punkt.

Welche Kommunikationsstrategien sind besonders wirksam?

„Wissen in Dialog bringen“ – für Dr. Lara Altenstädter ist dies ein zentraler Baustein wirksamer Kommunikationsstrategien. Die Erfahrungen aus dem IFiF-Projekt EXENKO zeigen, dass in Organisationen bereits viel Gleichstellungs- und Kommunikationswissen vorhanden ist, dieses jedoch häufig nebeneinander statt miteinander existiert. Um dieses Wissen zusammenzuführen, sind Dialogformate zwischen Kommunikationsabteilungen und Gleichstellungsakteur*innen besonders gut geeignet. Solche Formate sind nicht nur im Hochschulkontext, sondern auch in Unternehmen gut umsetzbar. Als weiteres wirksames Instrument nannte sie Sichtbarkeitssprechstunden, in denen Frauen individuell beraten werden, wo und wie sie sichtbar werden können und welche Unterstützung die Kommunikationsabteilung bieten kann.

„Sichtbarkeit ist kein Selbstläufer“, betonte Prof. Dr. Kerstin Ettl. Unternehmen müssten dafür sensibilisiert werden, dass Sichtbarkeit von Frauen bewusst gestaltet werden muss und personelle wie finanzielle Ressourcen erfordert. Um nachhaltig zu wirken, müsse das Thema strategisch in der Unternehmensführung verankert sein und von einer Unternehmenskultur getragen werden, die die Sichtbarmachung von Frauen ausdrücklich unterstützt.

Prof. Dr. Sylvia Hubner-Benz ging in ihrem Statement auf die besondere Rolle von Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen in der Hochtechnologiebranche ein. Erste Forschungsergebnisse von SeeHerTech zeigen, dass Sichtbarkeit je nach Kontext sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Während in der Wissenschaft häufig davon ausgegangen werde, dass Sichtbarkeit automatisch aus fachlicher Exzellenz folge, sehen Unternehmerinnen Sichtbarkeit als Voraussetzung dafür, überhaupt wahrgenommen zu werden, um Erfolg zu haben. Für sie ist zentral: Es gibt nicht die eine Form von Sichtbarkeit. Erfolgreiche Strategien sollten deshalb immer mit einer Reflexion beginnen: Wofür möchte ich stehen? Was möchte ich erreichen? Und welche Form der Sichtbarkeit passt zu mir und meinem Kontext?

Wie können Mitarbeitende der Unternehmenskommunikation Kommunikationsstrategien umsetzen?

Katja Mayer machte in Bezug auf diese Frage deutlich, dass Kommunikationsabteilungen täglich konkrete Entscheidungen treffen, die Sichtbarkeit beeinflussen: bei der Bildauswahl, der Themenplatzierung, der Expert*innenauswahl oder der Besetzung von Panels. Gerade visuelle Kommunikation spiele eine zentrale Rolle, da sie maßgeblich prägt, wer als kompetent und relevant wahrgenommen wird. Entsprechend liegen hier auch konkrete Entscheidungsmöglichkeiten. Dabei sollten interne und externe Kommunikation Hand in Hand gehen. Besonders wirksame Kanäle, um sichtbarer zu werden, sind ihrer Meinung nach: Vorträge auf Veranstaltungen, Teilnahme an Panels, Interviews, Netzwerke und Social-Media-Kanäle. Bei letztgenannten ist es wichtig, den Kanal zu finden, der zu einem passt. Außerdem sollten Frauen immer auch ihren eigenen Gestaltungsspielraum ausnutzen und sich einbringen, um sichtbarer zu werden.

Was machen wir, wenn Frauen nicht sichtbar sein möchten – wie können sie ermutigt werden?

„Experimentieren und gucken, was passiert“ ist für Prof. Dr. Sylvia Hubner-Benz in diesem Zusammenhang ein wichtiger Hinweis. Gemeint ist damit, dass Frauen, die aufgrund von Zeitmangel, oder weil sie unsicher sind, wo sie anfangen sollen, ruhig einmal verschiedene Sichtbarkeitsmaßnahmen ausprobieren sollten. Sichtbarkeit kann experimentell und flexibel gestaltet werden, indem verschiedene Formate, Netzwerke und Gelegenheiten ausprobiert werden. Eine ausgereifte Strategie, bevor frau überhaupt beginnt, ist dabei nicht zwingend erforderlich.

Katja Mayer ergänzte aus ihrer Erfahrung, dass sie als Mitarbeiter*innen der Unternehmenskommunikation den Frauen Vorschläge machen, welche Sichtbarkeitsmaßnahmen ausprobiert werden können, ob es beispielsweise lieber ein Podcast, ein Artikel in einer Fachzeitschrift oder ein Beitrag im Intranet sein soll. So können die Frauen abwägen und beeinflussen, welche Form der Sichtbarkeit sie als für sich geeignet empfinden und welche zudem am besten zu ihrer Zielgruppe passt.

Dr. Lara Altenstädter betonte, dass Unternehmen und Hochschulen Frauen dabei gezielt unterstützen können, Selbstsicherheit in bestimmten Formaten zu entwickeln. Gleichzeitig müsse das Recht bestehen, auch unsichtbar zu bleiben. Sichtbarkeit ist nicht zwingend mit medialer Präsenz verbunden.

Welche Rolle spielen Führungskräfte und interne Kommunikation?

Im weiteren Verlauf lenkte die Moderation den Blick auf die Rolle interner Akteur*innen jenseits klassischer Öffentlichkeitsarbeit. Prof. Dr. Kerstin Ettl unterstrich, dass Unternehmen eine strategische Verantwortung tragen, Sichtbarkeit bewusst zu verankern und beispielsweise Strategien entwickeln sollten, um Frauen innerhalb von Projekten und Teams Gehör zu verschaffen und ihre Leistungen sichtbar zu machen.

Katja Mayer ergänzte, dass insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Kommunikation, Personalabteilung und Organisationsentwicklung eine wichtige Rolle spielt. Gerade bei internen Prozessen und der strategischen Personalentwicklung liegt ein großes Potenzial, Sichtbarkeit strukturell mitzudenken und zu verankern.

Im Anschluss an die Diskussion gab es eine offene Fragerunde, in der Fragen aus dem Publikum beantwortet wurden.

Die Diskussionsrunde wurde im Rahmen der Online-Vortragsreihe IFiF-Impulse durchgeführt, die vom Metavorhaben "Innovative Frauen im Fokus" organisiert und gemeinsam mit Projekten der Förderrichtlinie "Innovative Frauen im Fokus“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gestaltet wird.