Von Hafermilch und Wattwürmern: Europäischer Erfinderpreis 2026
Die Auszeichnung für herausragende Innovationen in Europa geht in diesem Jahr unter anderem an die Biotechnologin Angeliki Triantafyllou.
Am 2. Juli 2026 zeichnete das Europäische Patentamt in Berlin sechs Innovator*innen mit dem Europäischen Erfinderpreis aus. Die prämierten Erfindungen reichen von intelligentem Batterierecycling über Malariaimpfstoffe bis hin zur Erschließung des therapeutischen Potenzials von Wattwürmern. Sie alle stehen für technische Lösungen, die dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und den technischen Fortschritt in Europa voranzutreiben. Unter den Preisträger*innen befindet sich auch eine Frau: die Biotechnologin Angeliki Triantafyllou, die in der Kategorie "Industrie" ausgezeichnet wurde. Als Forschungsleiterin bei Oatly entwickelte sie ein Verfahren, das Hafer in eine schmackhafte Alternative zu Kuhmilch verwandelt und prägte damit den Erfolg von Hafergetränken als nachhaltigere Alternative zu tierischen Produkten maßgeblich.
Triantafyllou setzte bei der Entwicklung neben Amylasen eine Proteindeamidase ein, um das Haferprotein löslich zu machen, ohne es in kleinere, bittere Fragmente zu zerlegen. Der Prozess läuft in der Regel bei 55 °C ab, was zu einer "weißeren" Flüssigkeitsgrundlage, einem verbesserten Proteingehalt und einem feineren, stabileren Schaum führt. Dadurch konnten Hafergetränke hinsichtlich Geschmack, Konsistenz sowie Funktionalität deutlich verbessert werden und erfreuen sich mittlerweile größerer Beliebtheit.
Ihre Arbeit lässt sich dem technologischen Sektor Chemie zuordnen (eigene Zuordnung auf Basis der IPC-Technologie-Konkordanztabelle der Weltorganisation für geistiges Eigentum). Mit einem Frauenanteil von 23,7 Prozent weist dieser Sektor beim Europäischen Erfinderpreis einen vergleichsweise hohen Wert auf. Nur die Sektoren Instrumente (24,3 Prozent) und Sonstige Gebiete (25,0 Prozent) erreichen höhere Anteile. Letzterer ist aufgrund der geringen Zahl von vier Auszeichnungen jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig.
Insgesamt zeigt sich beim Europäischen Erfinderpreis ein deutlicher Fortschritt beim Frauenanteil. Während im Zeitraum von 2006 und 2010 lediglich 6,5 Prozent der ausgezeichneten Erfinderinnen weiblich waren, hat sich der Anteil im aktuellen Jahrzehnt (2021–2026) auf 39,5 Prozent erhöht. Damit ist das Geschlechterverhältnis heute deutlich ausgewogener als noch vor zwei Jahrzehnten – ein Zeichen dafür, dass die Leistungen von Frauen in der europäischen Innovationslandschaft zunehmend sichtbar werden.
Quelle: Europäisches Patentamt