Erfinderinnen

Erfinderinnen: Frauenanteil bei Patentanmeldungen

Der Frauenanteil bei Patentanmeldungen1 ist ein Indikator für die Gleichstellung, aber gleichzeitig auch für die Innovationskraft einer Gesellschaft. Die Sichtbarkeit von Frauen in der Welt der Erfindungen und Patente trägt nicht nur zur Diversität und Vielfalt im Innovationsprozess bei, sondern stärkt auch die wirtschaftliche und technologische Entwicklung. Wenn Frauen ihre kreativen Ideen und technischen Fähigkeiten in Form von Patentanmeldungen einbringen, profitieren Unternehmen und Gesellschaften durch eine breitere Perspektive und vielfältigere Lösungsansätze. Zudem sendet eine steigende Anzahl von Patentanmeldungen durch Frauen ein Signal für die Gleichberechtigung der Geschlechter und inspiriert zukünftige Generationen von Erfinderinnen. 
 

Erfinderinnenanteil steigt nur leicht im Zeitverlauf 

Der Erfinderinnenanteil bei veröffentlichten Patentanmeldungen2 in Deutschland lag im Jahr 2022 bei 7,6 Prozent. Der Erfinderinnenanteil ist in den vergangenen zehn Jahren leicht gestiegen – im Jahr 2013 betrug der Anteil von Erfinderinnen bei veröffentlichten Patentanmeldungen noch 6,0 Prozent. Unter den Erfinder*innen waren im Jahr 2022 insgesamt 88.408 Männer und 7.292 Frauen vertreten. Die absolute Anzahl von Frauen als Erfinderinnen ist im gleichen Zeitraum um 33,1 Prozent gestiegen und hat sich von 5.477 Frauen im Jahr 2013 auf 7.292 Frauen im Jahr 2022 vergrößert. 

Patente aus dem Chemie-Sektor vergleichsweise häufig von Frauen 

Technologiesektor

Der Frauenanteil unter Erfinder*innen variiert deutlich nach den verschiedenen Techniksektoren. Der Anteil von Erfinderinnen ist im Sektor „Chemie“ mit 17,7 Prozent (für die Jahre von 2020-2022) mit Abstand am größten. In den anderen Sektoren liegt der Erfinderinnenanteil für die Jahre 2020 bis 2022 jeweils unter zehn Prozent: Im Sektor „Instrumente“ beträgt ihr Anteil 7,7 Prozent, in der „Elektrotechnik“ 6,0 Prozent und im „Maschinenbau“ 4,8 Prozent. Im Sektor „Sonstige Gebiete“, wozu Patentanmeldungen aus dem Bereich Möbel, Spiele, Sonstige Konsumgüter und Bauwesen zählen, liegt der Erfinderinnenanteil bei 7,8 Prozent.  

Technologiefelder 

Die höchsten Frauenanteile finden sich in einzelnen Technologiefeldern aus dem Sektor „Chemie“. Hier ist teilweise sogar rund ein Drittel der Erfinder*innen weiblich. So liegt der Frauenanteil bei Patentanmeldungen aus der „Biotechnologie“ bei 29,0 Prozent, bei Erfindungen aus der „Organischen Feinchemie“ sogar bei 34,5 Prozent – damit sind in diesem Technologiefeld anteilig die meisten Erfinderinnen beteiligt. Bei den Technologiefeldern Umwelttechnik mit 6,4 Prozent oder Mikro- und Nanotechnologie mit 8,1 Prozent sind Frauen auch im Sektor Chemie deutlich unterrepräsentiert.  

Vergleichsweise hohe Frauenanteile gibt es auch im Sektor „Instrumente“ bei Erfindungen aus dem Bereich „Analyse biologischer Stoffe“ (22,2 Prozent). Sehr gering ist der Beitrag von Frauen im Maschinenbausektor mit klassischen Technologiefeldern wie „Werkzeugmaschinen“, „Motoren, Pumpen, Turbinen“ und „Maschinenelemente“ (jeweils 3,4 bzw. 3,3 Prozent). Auch im Sektor Elektrotechnik sind Frauen in den einzelnen Technologiefeldern nur gering vertreten, mit 3,5 Prozent bei „Grundlegenden Verfahren der Kommunikationstechnik“ bis maximal 8,5 Prozent bei „Datenverarbeitungsverfahren für betriebswirtschaftliche Zwecke“.  

Leaky Pipeline: Innovationspotenziale von Frauen gehen verloren 

Auf dem Weg vom MINT-Studium bis zur technischen Erfindung gehen in Deutschland viele Frauen verloren. Rund ein Drittel (32,2 Prozent) der Studierenden in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sind im Jahr 2022 Frauen. Bei Masterabschlüssen (31,5 Prozent Frauenanteil) und Promotionen (32,8 Prozent Frauenanteil) in einem MINT-Fach sind Frauen noch entsprechend ihrer Repräsentanz unter Studierenden vertreten. Unter Forscher*innen (wissenschaftliches Personal in Forschung und Entwicklung im Jahr 2021) liegt der Frauenanteil mit 24,1 Prozent bereits deutlich darunter. Im Wirtschaftssektor sind sogar nur 15,3 Prozent der Forschenden weiblich (nicht grafisch dargestellt). Zur erfolgreichen Innovationstätigkeit in Form von Patentanmeldungen fällt der Frauenanteil noch einmal stark ab – nicht einmal ein Zehntel der Erfinder*innen (7,6 Prozent) ist weiblich. 

Literatur

Literatur

Ein Patent ist ein exklusives Recht an einer technischen Erfindung. Patentfähige Innovationen können technische Produkte oder Verfahren sein, die eine technische Lösung zu einem Problem darstellen (vgl. World Intellectual Property Organization: Patents. Online: https://www.wipo.int/web/patents (Abgerufen am 12.06.2024)). 

2 Als Patent geschützt werden können nach dem deutschen Patentgesetz (§ 1 Abs. 1 ) technische Erfindungen, „die neu sind, auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhen und gewerblich anwendbar sind“. Um eine Erfindung als Patent zu schützen, müssen detaillierte Informationen über die Erfindung in einer Patentanmeldung offenbart werden. Die Beschreibung muss dabei so genau sein, dass ein Fachmann/eine Fachfrau die Erfindung ausführen kann. Zu den erforderlichen Angaben gehört außerdem die Erfinderbenennung, da Anmelder*in und Erfinder*in/Erfinder*innen nicht identisch sein müssen.
Deutsches Patent- und Markenamt (2022): Merkblatt für Patentanmelder. Online (PDF): https://www.dpma.de/docs/formulare/patent/p2791.pdf (Abgerufen am 12.06.2024). 

Weiterführende Publikationen

Hinweise zu den Daten

Anleitung zum Download der Grafik und Daten: 
Die Grafiken und die zu Grunde liegenden Daten können jeweils durch einen Linksklick auf die drei Striche rechts oben am Rand der Grafik heruntergeladen werden. Bei Weiterverwendung der Grafiken oder Daten bitten wir um Angabe der Quellen. 

Datenquellen:   

  1. Erfinderinnen im Zeitverlauf und nach Sektor / Technologiefeld: Deutsches Patent- und Markenamt (DPMA) 2023: Erfinderinnen
  2. Studierende MINT (ohne Promotionsstudierende): Statistisches Bundesamt 2023: Statistik der Studierenden, Statistischer Bericht – Wintersemester 2022/2023 
  3. Master-Abschlüsse und Promotionen MINT: ): Statistisches Bundesamt 2023: Statistik der Prüfungen, Statistischer Bericht – Prüfungsjahr 2022 
  4. Forschende in FuE: Statistisches Bundesamt 2022, Sonderauswertung; Stifterverband Wissenschaftsstatistik 2022, Sonderauswertung, Datenportal BMBF: Tabelle 1.7.2 (BuFI 16): FuE-Personal nach Geschlecht, Sektoren und Personalgruppen (Vollzeitäquivalent) 

Anmerkungen: 

Zu 1. Erfinderinnen 

  • Veröffentlichte Patentanmeldungen mit Wirkung für Deutschland. 

  • Patentanmeldungen werden dem Jahr ihrer Veröffentlichung zugeordnet; Patentanmeldungen werden nach 18 Monaten veröffentlicht. 

  • Berücksichtigt werden vom DPMA und Europäischen Patentamt (EPA) veröffentlichte Anmeldungen unter Vermeidung von Doppelzählungen. 

  • Zuordnung zu einem Geschlecht durch das DPMA auf Basis des "World Gender-Name Dictionary 2.0" der World Intellectual Property Organization (WIPO); Zuordnungsrate für den betrachteten Zeitraum mindestens 98,5 %.  

  • Frauenanteile beziehen sich auf die Gesamtzahl der einem Geschlecht zugeordneten Erfinderbenennungen. 

Zu 2. Statistik der Studierenden 

  • Die Statistik wird semesterweise (halbjährlich) durchgeführt. Berichtszeitraum ist das Sommersemester und das Wintersemester. 

  • Grundgesamtheit sind Studierende semesterweise, jeweils nach Ablauf der Immatrikulationsfrist. 

  • Die Statistik der Studierenden basiert auf Verwaltungsdaten der Hochschulen, die für administrative Zwecke erhoben wurden. Die Studierendenstatistik ist eine Sekundärerhebung (Vollerhebung). 

  • "Studierende " basieren auf den Angaben zum Wintersemester. 

Zu 3. Statistik der Prüfungen 

  • Die Statistik erscheint einmal jährlich. Berichtszeitraum ist das Prüfungsjahr (Wintersemester und darauf folgendes Sommersemester). 

  • Die Grundgesamtheit umfasst alle im Prüfungsjahr (Wintersemester und darauf folgendes Sommersemester) abgelegten Abschlussprüfungen an Hochschulen. 

  • Die Datengewinnung erfolgt über die Verwaltungsdaten der staatlichen und kirchlichen Prüfungsämter, die für administrative Zwecke erhoben wurden. Die Prüfungsstatistik ist eine Sekundärerhebung (Vollerhebung). 

Zu 4. Forschende in FuE