meta-IFiF

Leaky Pipeline - Fokus Fächergruppen

Wie stark unterscheidet sich die Leaky Pipeline in der Wissenschaft nach Fächergruppen?

Der Begriff Leaky Pipeline beschreibt den Ist-Zustand, dass der Frauenanteil mit jeder höheren beruflichen Qualifikationsstufe abnimmt – ein Phänomen, das sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft zu beobachten ist. So gibt es in der Wissenschaft zwar inzwischen mehr Frauen als Männer, die ein Studium abschließen (53,3 Prozent), jedoch sinkt ihr Anteil bei jeder weiteren wissenschaftlichen Qualifikationsstufe (Promotion, Habilitation, Berufung auf eine Professur) immer weiter im Vergleich zum Anteil der Männer auf den jeweiligen Qualifikationsstufen. Neben der allgemeinen Beschreibung der Leaky Pipeline in der Wissenschaft (vgl. Leaky Pipeline in der Wissenschaft) hat das Metavorhaben meta-IFiF im Infopool unter Daten und Fakten nun auch die Leaky Pipeline getrennt für die einzelnen Fächergruppen aufbereitet. Betrachtet werden die acht Fächergruppen Geisteswissenschaften; Sport; Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; Humanmedizin & Gesundheitswissenschaften; Mathematik & Naturwissenschaften; Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften & Veterinärmedizin; Ingenieurwissenschaften; Kunst & Kunstwissenschaften.

Die Darstellungen in Form von sogenannten Scherendiagrammen zeigen, dass es sowohl fächerspezifische Strukturen, aber auch strukturelle Gemeinsamkeiten bei der Leaky Pipeline in den einzelnen Fächergruppen gibt. Dies zeichnet sich dadurch ab, wie weit die Schere zwischen Frauen und Männern am Anfang und am Ende einer idealtypischen wissenschaftlichen Karriere auseinanderklafft (siehe zum Beispiel Leaky Pipeline in der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften).

Insgesamt beginnen und absolvieren mehr Frauen als Männer ein Studium   

Bei fast allen Fächergruppen beginnen mehr Frauen als Männer ein Studium und schließen dieses auch häufiger ab als Männer (Ausnahmen sind hier die Fächergruppen Sport und Ingenieurwissenschaften). In den Fächergruppen Kunst und Kunstwissenschaften, Geisteswissenschaften sowie Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften sind sogar mehr als zwei Drittel der Studierenden im 1. Hochschulsemester Frauen.  

Aber: Deutlich mehr Männer als Frauen haben eine Professur inne

Auf der anderen Seite der Schere zeigt sich eine weitere Gemeinsamkeit über alle Fächergruppen hinweg: Deutlich mehr Männer als Frauen haben eine Professur inne. Auf den höchstdotierten W3- bzw. C4-Professuren liegt der niedrigste Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften bei 11,7 Prozent, der höchste Frauenanteil findet sich in den Geisteswissenschaften mit 36,5 Prozent. Die einzige Ausnahme bei den Professuren bildet die W1- oder Junior-Professur, bei der in einigen Fachbereichen der Frauenanteil höher ist als der Männeranteil (z.B. in den Geisteswissenschaften und der Fächergruppe Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften).  

Abzuwarten bleibt, ob die hohen Frauenanteile unter den Studienanfänger*innen und den niedrigeren Qualifikationsstufen sowie den bereits bedeutsamen W1-Professuren in den kommenden Jahren zu einer paritätischeren Verteilung der Geschlechter auf den höheren Qualifikationsstufen führen werden. 

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