IFiF-Projekte

Sichtbarkeitsfaktoren von Frauen in der Wissenschaft

heiCHANGE

Am 20. März 2026 kamen PSY:SICHT, Digital Hate, WomenInQuantumTech und #INNOVATORIN zu dem Abschlussworkshop von heiCHANGE zusammen, um gemeinsam über Sichtbarkeitsfaktoren zu diskutieren.

Ziel des Workshops war es, zentrale Ergebnisse von Projekten der BMFTR-Förderrichtlinie "Innovative Frauen im Fokus" zusammenzuführen, gemeinsam zu reflektieren und übertragbare Erkenntnisse sowie Handlungsempfehlungen für Wissenschaft und Hochschulpraxis zu diskutieren. Neben Projektpräsentationen wurde auch eine angeregte Gruppendiskussion geführt, rund um die Fragen: Wie sind Wissenschaftlerinnen sichtbar? Wie wirkt sich Sichtbarkeit auf sie aus? Wie können Wege für Frauen in der Wissenschaft aussehen, um sichtbar zu werden? 

Aus den Projektpräsentationen am Vormittag ging hervor, dass die IFiF-Projekte an unterschiedlichen Zeitpunkten stehen und sich einer ähnlichen Thematik aus verschiedenen Disziplinen nähern. Laura Große und Britta Kelch vom Projekt PSY:SICHT beschäftigen sich wie heiCHANGE auch mit "Organizational Care Work", die häufiger von Frauen als von ihren männlichen Kollegen übernommen wird und welche psychologischen Faktoren dabei eine Rolle spielen können (z. B. Persönlichkeitsmerkmale, aber auch Attributionsstile und das Imposter Phänomen).  

heiCHANGE schaut sich auch das starke interpersonelle Vergleichssystem in der Wissenschaft (die sogenannten "Statuswettbewerbe") an und wie diese sich auf das mentale Wohlbefinden auswirken (bspw. erhöhter Stress, Angst oder auch Depression).  

Digital Hate beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Sichtbarkeit in "umkämpften" Wissenschaftsgebieten. Projektmitarbeiterin Kyra Schneider hat spannende Erkenntnisse über Wissenschaftler*innen aus den Gebieten der Gender-, Klima- und Migrationsforschung vorgestellt. Digitale Gewalt stellt eine strukturelle Barriere von Professor*innen dieser Wissensgebiete dar und erschwert die Sichtbarwerdung.  

Mit den Auswirkungen von "Hypervisibilität" beschäftigen sich Martina Erlemann und Andrea Bossman aus dem Projekt WomenInQuantumTech: Eine Frau wird nicht als Wissenschaftlerin sichtbar in männerdominierten Forschungsfeldern wie der Physik, sondern vor allem als "Frau in der Wissenschaft". Auch normative Erwartungsstrukturen und Intersektionalität spielen in Prozessen der (Un-)Sichtbarmachung eine zentrale Rolle.  

Am Nachmittag wurden die identifizierten Faktoren aus den Projektbeiträgen in einer Gruppendiskussion beleuchtet und diskutiert. Im Zentrum der Diskussion stand dabei die "Person/das Individuum" in der Wissenschaft, welche sich mit Ansprüchen an die Eigenverantwortung und strukturellen Komponenten des Sichtbarwerdens auseinandersetzen muss. Die Rahmenbedingungen wirken dabei geschlechterdifferenziert: Während männliche Wissenschaftler häufig als Norm gelten, werden Frauen als Abweichung wahrgenommen. Entsprechend sehen sich Wissenschaftlerinnen stärker mit der Frage konfrontiert, ob und wie sie sich öffentlich positionieren – auch vor dem Hintergrund, dass bestehende Sichtbarkeitsformate aus männlich dominierten Strukturen hervorgegangen sind.  

Wenn Sichtbarkeit in der Wissenschaft im Spannungsfeld von Eigenverantwortung und struktureller Verankerung liegt, dann sollten verantwortungsbewusste Formate geschaffen werden, in denen Wissenschaftlerinnen sich nicht unterschiedlichen Auswirkungen ausgesetzt sehen und gender-sensible Sichtbarkeit auch von institutioneller Seite mitgedacht wird.  

Der Abschlussworkshop Sichtbarkeitsfaktoren von Frauen in der Wissenschaft hat gezeigt, wie gewinnbringend der projektübergreifende Austausch ist, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, gemeinsame Herausforderungen sichtbar zu machen und weiterführende Impulse für Forschung und Praxis zu entwickeln.  

Autorinnen: Sara Engeler und Prof. Dr. Christiane Schwieren