meta-IFiF

#3FragenAn Prof. Dr. Susanne Boll

Wie können Organisationen Sichtbarkeit und Teilhabe von Frauen strategisch angehen? meta-IFiF stellt #3FragenAn Prof. Dr. Susanne Boll, Vorständin des Oldenburger Forschungsinstituts OFFIS.

Wie können Organisationen Sichtbarkeit und Teilhabe von Frauen strategisch angehen? 3FragenAn Prof. Dr. Susanne Boll, Vorständin on OFFIS und Initiatorin der Strategie "25 in 25"

#3FragenAn Prof. Dr. Susanne Boll

Die neu erschienenen meta-IFiF-Handlungsempfehlungen zeigen auf, wie Organisationen die Sichtbarkeit und Repräsentanz von Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation stärken können. Im Rahmen der Recherche dazu sind wir auf ein spannendes Umsetzungsbeispiel gestoßen, das wir hier näher vorstellen möchten.

Trotz zahlreicher hochqualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen sind Frauen in vielen Bereichen nach wie vor unterrepräsentiert, insbesondere in Führungspositionen. Das Oldenburger Forschungsinstitut OFFIS – Institut für Informatik hat auf diese Herausforderung mit einem umfassenden Kulturwandel reagiert. Die vom Vorstand initiierte Strategie „25 in 25“ verfolgte das Ziel, den Frauenanteil auf allen Hierarchieebenen nachhaltig zu erhöhen und die Attraktivität des Instituts für Frauen zu steigern. Mit Erfolg: Die gesetzten Ziele wurden erreicht, teilweise sogar übertroffen.

Wir haben mit Prof. Dr. Susanne Boll, Vorständin von OFFIS und Initiatorin der Strategie „25 in 25“ darüber gesprochen, wie strukturelle Veränderungen in Organisationen gelingen können und welche Maßnahmen besonders wirksam sind.

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Der Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass Veränderung nicht von allein entsteht. Wenn wir mehr Frauen in der Informatik gewinnen und halten wollen, müssen wir Strukturen, Kultur und Sichtbarkeit gemeinsam betrachten. Mit „25 in 25“ haben wir deshalb ein klares Ziel formuliert und daraus einen strategischen Veränderungsprozess gemacht. Entscheidend war für mich, nicht bei einzelnen Aktionen stehenzubleiben, sondern gemeinsam zu fragen: Wo verlieren wir Frauen? Wo können wir gezielt ansetzen? Und wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Frauen selbstverständlich ihren Platz in der Informatik finden und gestalten können?

Ein solches Ziel kann niemand allein erreichen. Deshalb war es wichtig, „25 in 25“ nicht als reines Gleichstellungsthema zu verstehen, sondern als Aufgabe der gesamten Organisation. Wir haben das Ziel sichtbar gemacht, immer wieder darüber gesprochen und unterschiedliche Bereiche einbezogen. Besonders wichtig war mir, deutlich zu machen: Mehr Frauen in der Informatik sind kein Selbstzweck. Unterschiedliche Perspektiven machen Teams, Forschung und Innovation besser. Kulturwandel entsteht, wenn viele Menschen Verantwortung übernehmen und im eigenen Umfeld anfangen, Dinge anders zu machen. Und man braucht Menschen wie Ann-Kathrin Sobeck [Personalentwicklung und Diversity], die den Wandel aktiv gestalten und begleiten.

Besonders wirksam war das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen: Gezielte Ansprache und Recruiting, aber ebenso eine Kultur, in der Frauen bleiben, sich entwickeln und Verantwortung übernehmen können. Sichtbare Vorbilder, persönliche Ermutigung, Mentoring und gute Entwicklungsmöglichkeiten spielen dabei eine große Rolle. Entscheidend ist außerdem, Fortschritte sichtbar zu machen. Erfolg erzeugt Dynamik: Wenn wir zeigen, dass Veränderung möglich ist, wächst die Bereitschaft, weiterzumachen. Darauf bauen wir jetzt auf und rücken Diversität insgesamt stärker in den Mittelpunkt, mit dem Ziel, Strukturen zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven selbstverständlich dazugehören und ihre Wirkung entfalten können.