IFiF-Projekte

Wie psychologische Faktoren die Sichtbarkeit beeinflussen

PSY:SICHT

In diesem IFiF-Impulse-Vortrag präsentierten die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen vom IFiF-Projekt PSY:SICHT ihre Forschungsergebnisse und erläuterten die gendersensiblen Zusammenhänge.

Am Mittwoch, den 10. Juni 2026, gaben die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Forschungsprojekts PSY:SICHT Antonia Böttcher, Britta Kelch und Farina Koßmann zunächst einen Einblick in psychologische Faktoren, die mit beruflicher Sichtbarkeit zusammenhängen können. Beispiele für psychologische Faktoren sind etwa das Selbstkonzept, Attributionsstile, Emotionen und Persönlichkeitsmerkmale, die auch Geschlechtsunterschiede aufweisen - an dieser Stelle setzt PSY:SICHT an. 

Antonia Böttcher gab einen Überblick über die Ergebnisse aus dem Scoping Review. Ein Scoping Review ist eine wissenschaftliche Methode zur Strukturierung und Sondierung bestehender Forschungsliteratur. Es wurden 12 Artikel in 22 Datenbanken analysiert, die den Einfluss psychologischer Faktoren auf die berufliche Sichtbarkeit behandeln. Ziel des Scoping Review ist die systematische Erfassung und Kartierung der vorhandenen Evidenz zu einem Thema sowie Identifikation zentraler Konzepte, Forschungsschwerpunkte und Forschungslücken, so Böttcher. 

Ergebnisse des Scoping Review zu der Frage: Welche psychologischen Faktoren beeinflussen berufliche Sichtbarkeit? 

  1. Psychologische Faktoren spielen eine Rolle im Zusammenhang mit verschiedenen Formen beruflicher Sichtbarkeit, sind aber nicht systematisch erforscht.
  2. Berufliche Sichtbarkeit (professional visibility) hat viele Formen und scheint nicht unbedingt ein einheitliches Konstrukt zu sein.
  3.  Psychologische Faktoren, die berufliche Sichtbarkeit beeinflussen, sind von strukturellen/sozialen Kontexten nicht trennbar.

PSY:SICHT kommt zu dem Ergebnis: Geschlecht & Geschlechterstereotype beeinflussen berufliche Sichtbarkeit

Darüber hinaus präsentierte Britta Kelch die ersten Ergebnisse aus Fokusgruppeninterviews, die mit Wissenschaftlerinnen aller Statusgruppen durchgeführt wurden. Im Mittelpunkt des IFiF-Impulse-Vortrags stand die Perspektive der Wissenschaftlerinnen selbst: Welche sichtbarkeitsfördernden oder sichtbarkeitshemmenden Emotionen oder Kognitionen erleben sie bei sich selbst? Welche Bedeutung haben Vertrauen, Ängste oder Persönlichkeitsmerkmale? Und inwiefern können psychologische Faktoren als Ressourcen und Gelingensbedingungen für Sichtbarkeit wirken? In Bezug auf die psychologischen Aspekte der Sichtbarkeit kam das Projekt zum Ergebnis, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen:   

  • Persönlichkeitsmerkmale, z.B. Perfektionismus 
  • Selbstkonzept, z.B. berufliche Selbstwirksamkeit 
  • Emotionen, z.B. Mut, Ärger, Angst vor Haltung Anderer 
  • Motivatoren, z.B. soziale Anerkennung 
  • Copingstrategien, z.B. proaktive Medienauswahl 

Quantitative Umfragen mit Wissenschaftler*innen sind für den Herbst 2026 geplant. Interessierte können sich per Mail an psysicht@hshl.de melden.