Publikationen haben in der Wissenschaft einen hohen Stellenwert, sie dienen als Nachweis wissenschaftlicher Arbeit, sichern Ergebnisse und machen ihre Autor*innen in der Fachwelt sichtbar. Wie oft diese Publikationen zitiert werden, zeigt, in welchem Ausmaß die Forschungsarbeit in der wissenschaftlichen Gemeinschaft rezipiert und weiterentwickelt wird. Publikations- und Zitationsleistungen beeinflussen die Karriereentwicklung, den Zugang zu wissenschaftlichen Netzwerken sowie die Chancen auf wissenschaftliche Auszeichnungen und Forschungsförderung. Da Forschungsförderung die Umsetzung neuer Vorhaben und damit auch zukünftige Publikationen ermöglicht, ist eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an Förderprogrammen von zentraler Bedeutung.
Unterschiede bei Publikationen, Zitierungen und der Einwerbung von Forschungsförderung stehen im Zusammenhang mit strukturellen Rahmenbedingungen, die die wissenschaftliche Arbeit von Frauen und Männern unterschiedlich prägen.
Dazu gehört unter anderem, dass Wissenschaftlerinnen häufig weniger Zeit für Forschung und Publikationen aufbringen als ihre männlichen Kollegen. Gründe hierfür sind sowohl die weiterhin ungleiche Verteilung von Care-Arbeit im privaten Umfeld als auch die überproportionale Übernahme von Lehr-, Betreuungs-, Organisations- und Verwaltungsaufgaben innerhalb wissenschaftlicher Institutionen. Darüber hinaus sind Frauen in vielen Bereichen der Wissenschaft weiterhin unterrepräsentiert. Dies wirkt sich auch auf die Gesamtzahl der Publikationen, Zitierungen und Forschungsanträge von Frauen aus.
Gender Publication Gap
Frauen veröffentlichen noch immer weniger wissenschaftliche Publikationen als Männer, im Jahr 2025 lag ihr Anteil an allen wissenschaftlichen Publikationen bei lediglich 36,3 Prozent. In den verschiedenen Fächergruppen unterscheidet sich der Frauenanteil unter aktiven Autor*innen stark, am niedrigsten ist er in den Bereichen Naturwissenschaften sowie Ingenieurwesen & Technologie. Zudem bestehen Unterschiede in der Publikationsproduktivität zwischen Autorinnen und Autoren, die im Karriereverlauf größer werden: Während Frauen zu Beginn ihrer Publikationstätigkeit bereits etwas weniger publizieren als Männer, wächst dieser Unterschied im Verlauf der wissenschaftlichen Karriere. In einer fortgeschrittenen Karrierephase veröffentlichen Frauen durchschnittlich 31 Prozent weniger Publikationen als Männer.
Gender Citation Gap
Es gibt verschiedene Ansätze zur Messung des Gender Citation Gaps. Aktuelle Daten anhand des Field-Weighted Citation Impacts (FWCI) zeigen, dass die Arbeiten von Wissenschaftlern 2025 etwas häufiger zitiert wurden als die von Wissenschaftlerinnen. Der Unterschied fällt jedoch gering aus: Veröffentlichungen von Frauen erreichten im Durchschnitt 95 Prozent der Zitierhäufigkeit von Veröffentlichungen von Männern.
Anträge und Bewilligungen von Forschungsfinanzierungen
Bei den Anträgen auf Forschungsfinanzierung (Anträge bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) zeigt sich, dass Frauen im Jahr 2022 nur 27,9 Prozent aller Anträge eingereicht haben. Die Erfolgsquoten der Anträge unterscheiden sich jedoch kaum zwischen Frauen (31,1 Prozent) und Männern (31,8 Prozent).