meta-IFiF

MINT-Berufe: Geschlechterparität in 160 Jahren?

Im derzeitigen Tempo wird Geschlechterparität in MINT-Berufen erst im Jahr 2185 erreicht. meta-IFiF präsentiert aktuelle Zahlen zum Frauenanteil in MINT-Bereichen in Wirtschaft und Wissenschaft.

Am 9. Juni 2026 fand der 14. Nationale MINT-Gipfel in Berlin statt. Vor Ort stellten die Bundesbildungsministerin Karin Prien und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär den neuen Aktionsplan MINT+ vor. Darin wird unter anderem betont, wie wichtig es ist, die Potenziale von Mädchen und Frauen für MINT und für Schlüsseltechnologien stärker zu erschließen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.1

Anlässlich des MINT-Gipfels zeigt meta-IFiF im Infopool aktuelle Daten und Fakten zu Frauen im MINT-Sektor. Sie unterstreichen die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Stärkung der Teilhabe und Sichtbarkeit von Frauen im MINT-Bereich.

Frauen in MINT-Berufen: Langsamer Fortschritt

Im Jahr 2025 sind 7.479.327 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in MINT-Berufen tätig. Davon sind 1.338.694 Frauen, was einem Frauenanteil von 17,9 Prozent entspricht. Insgesamt ist der Frauenanteil in den letzten 10 Jahren um 1,7 Prozentpunkte gestiegen. Wenn die Entwicklung in diesem Tempo voranschreitet, wird Geschlechterparität (ein Frauenanteil von 50 Prozent) erst in 160 Jahren erreicht.

Frauenanteil in MINT-Berufen nach Bereichen (2025):

  • Technische Berufe: 14,7 %
  • IT-Berufe: 18,7 %
  • Mathematische/naturwissenschaftliche Berufe: 50,7 %

Frauenanteil in Ingenieurberufen (2025): 21,3 %

  • z.B. in Produktion und Fertigung: 15,0 %
  • z.B. in Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik: 32,0 %

Frauenanteile in MINT-Fächern an Hochschulen in Deutschland im Jahr 2024:

  • MINT-Studierende im 1. Hochschulsemester: 35,6 % (alle anderen Fächer: 62.6 %)
    • z.B. in Biologie: 69,1 %
    • z.B. in Informatik: 25,9 %
  • MINT-Abschlüsse (ohne Promotionen): 34,4 % (alle anderen Fächer: 63,2 %)
  • MINT-Promotionen: 34,6 % (alle anderen Fächer: 56,1 %)
  • MINT-Professuren insgesamt: 19,2 % (alle anderen Fächer: 36,3 %)
    • z.B. in Biologie: 32,1 %
    • z.B. in Informatik: 16,3 %
  • W3 bzw. C4-Professuren: 17,6 % (alle anderen Fächer: 30,5 %)

Die Zahlen zeigen, dass auch in den MINT-Fächern die Leaky Pipeline auftritt. Während der Frauenanteil unter Studierenden im ersten Hochschulsemester bei 35,6 Prozent liegt, ist nicht einmal jede fünfte MINT-Professur von einer Frau besetzt (Frauenanteil: 19,2 Prozent). Obwohl die Zahl der Professorinnen in den MINT-Fächern über die Jahre kontinuierlich gestiegen ist, liegt der Frauenanteil weiterhin unter dem in anderen Fächern. Dabei unterscheiden sich die Anteile auch stark zwischen den einzelnen Lehr- und Forschungsbereichen. In Bereichen wie Biologie, Geographie oder Architektur/ Innenarchitektur liegt der Frauenanteil bei Professuren jeweils bei über 30 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt er in Bereichen wie Informatik, Bauingenieurwesen oder Maschinenbau/Verfahrenstechnik bei unter 20 Prozent.

Insgesamt besteht weiterhin Handlungsbedarf. Die öffentliche Sichtbarkeit von Frauen in MINT-Berufen kann einen großen Beitrag leisten: Sichtbare Professorinnen, Ingenieurinnen oder Informatikerinnen fungieren als Vorbilder und motivieren junge Frauen dazu, eine Karriere in MINT anzustreben.

1Quelle: Aktionsplan MINT+

Datenquellen: Beschäftigtenstatistik der BA; Beschäftigtenstatistik der BA, Berechnungen des IAB; Statistisches Bundesamt