Frauenanteil in Kunst- und Kulturberufen
Frauenanteil in Kunst- und Kulturberufen
Wie sichtbar sind Frauen mit ihren Ideen, Perspektiven und kreativen Leistungen in Kunst und Kultur? Wer gestaltet Musik, Bildende Kunst und Literatur? Und wer entscheidet darüber, welche Werke, Stimmen und Perspektiven auf Bühnen, in Ausstellungen und im öffentlichen Raum sichtbar werden? Die folgenden Daten bieten Einblicke in die Vertretung von Frauen in ausgewählten Kunst- und Kulturberufen.
Frauen in Freien Kulturberufen
Im Verhältnis zum gesamten Arbeitsmarkt gibt es im Kulturbereich einen hohen Anteil Selbstständiger. Davon arbeitet die Mehrheit als Solo-Selbstständige.1 Von den im Jahr 2026 183.383 Versicherten der Künstlersozialkasse sind 89.426 Frauen (48,8 Prozent). Davon arbeiten 32.929 Frauen im Bereich Bildende Kunst, 20.179 im Bereich Musik, 20.176 im Bereich Wort und 16.142 in der Darstellenden Kunst. Zwischen den Jahren 2016 und 2026 hat sich der Frauenanteil unter Selbständigen in Kulturberufen kaum verändert. Den höchsten Frauenanteil an Selbstständigen in Freien Kulturberufen gibt es seit dem Jahr 2016 unter Publizist*innen, in diesem Bereich sind mehr als die Hälfte der Berufstätigen Frauen. Unter Musiker*innen ist der Frauenanteil seit 1988 am stärksten gestiegen, dennoch blieb er in den vergangenen 10 Jahren bei knapp 40 Prozent und ist damit unter den Kulturberufen auf dem niedrigsten Niveau.
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Kunst und Kultur
Die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit liefert weitere Hinweise auf die Repräsentanz von Frauen in Kunst und Kultur. Insgesamt sind Frauen unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kulturberufen leicht in der Mehrheit: Im Januar 2026 waren 351.730 der insgesamt 642.510 Beschäftigten Frauen (54,7 Prozent).
Die folgende Grafik zeigt den Frauenanteil unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in ausgewählten Kulturberufen im Januar 2026. Grundlage der Auswahl ist eine vom Arbeitskreis Kulturstatistik erstellte Liste von Kulturberufen anhand der Klassifikation der Berufe (KldB 2010). Hier dargestellt sind vor allem künstlerische/gestalterische Berufe (s. Hinweise zu den Daten).
Besonders stark von Frauen dominiert ist der Bereich „Bühnen- und Kostümbildnerei, Requisite“ mit einem Frauenanteil von 72,7 Prozent. Berufsfelder mit einem niedrigen Frauenanteil sind dagegen „Veranstaltungs-, Kamera-, Tontechnik“ (21,2 Prozent), „Schauspiel, Tanz- und Bewegungskunst“ (31,6 Prozent), „Moderation und Unterhaltung“ (33,1 Prozent). Auch „Musik-, Gesang- und Dirigententätigkeiten“ (Frauenanteil 42,6 Prozent) sowie Tätigkeiten im „Produkt- und Industriedesign“ (38,6 Prozent) werden häufiger von Männern ausgeübt.
Obwohl Frauen unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kulturberufen insgesamt in der Mehrheit sind, sind sie in einigen Berufsfeldern seltener vertreten als Männer. Dies betrifft unter anderem Tätigkeiten in den Bereichen Musik, Schauspiel, Tanz und Unterhaltung.
Frauenanteil bei Personal in Theatern und Orchestern
An den Theatern in Deutschland ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen unter den ständig Beschäftigten nahezu ausgeglichen (Frauenanteil 47,8 Prozent). Beim künstlerischen Personal liegt der Frauenanteil sogar bei 51 Prozent. Leitungspositionen sind jedoch nur zu 36,8 Prozent mit Frauen besetzt. Dazu zählen zum Beispiel die Intendanz, Verwaltungsdirektion, Spartenleitung, Chefdramaturgie, Generalmusikdirektion und Chefdirigent*innen. Im Schauspiel, Solo-Gesang und bei den Orchestermitgliedern liegen die Frauenteile unter 50 Prozent, in allen anderen künstlerischen Bereichen liegen sie darüber. Die größte Differenz zeigt sich in den künstlerisch-technischen Abteilungen: in Maske und Kostüm arbeiten überwiegend Frauen und in Werkstätten und Technik überwiegend Männer.
Eine Vollerhebung des Deutschen Musikinformationszentrums unter den 129 öffentlich finanzierten Berufsorchestern in Deutschland zeigt für das Berichtsjahr 2020, dass Frauen auch innerhalb der Orchester in höheren Dienststellungen deutlich unterrepräsentiert sind. Während ihr Anteil in niedrigeren Positionen wie Vorspieler*innen und Tutti bei 47,5 Prozent lag, waren unter Konzertmeister*innen (1. Violine), Solist*innen, weiteren Stimmführer*innen sowie deren Stellvertreter*innen lediglich 28,4 Prozent Frauen vertreten. In den höchstvergüteten Orchestern fiel der Frauenanteil in diesen Führungspositionen noch geringer aus.2
Fazit
Insgesamt zeigt sich, dass in vielen Berufen im Kulturbereich mindestens genauso viele Frauen wie Männer arbeiten. Die großen Ausnahmen sind der Bereich Musik, in dem sowohl bei den Selbständigen als auch bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Frauenanteil bei ungefähr 40 Prozent liegt, und die technischen Berufe im Kulturbereich. Zudem zeigt sich, dass an Theatern und in Orchestern das Personal in führenden Positionen mehrheitlich männlich ist.
Literatur
Literatur
1 Statistisches Bundesamt (2026): Erwerbstätige in Kultur und Kulturwirtschaft. Sonderauswertung aus dem Mikrozensus. Online: www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Kultur/Publikationen/Downloads-Kultur/beschaeftigung-kultur-5216201269004-1-2025176.html (Abgerufen am 23.09.2026)
2 Deutsches Musikinformationszentrum (miz) (2021): Geschlechterverteilung in deutschen Berufsorchestern. Online: miz.org/de/statistiken/geschlechterverteilung-in-deutschen-berufsorchestern
Hinweise zu den Daten
Anleitung zum Download der Grafik und Daten:
Die Grafiken und die zu Grunde liegenden Daten können jeweils durch einen Linksklick auf die drei Striche rechts oben am Rand der Grafik heruntergeladen werden. Bei Weiterverwendung der Grafiken oder Daten bitten wir um Angabe der Quellen.
Datenquellen:
- Selbstständige in freien Kulturberufen: Künstlersozialkasse 2026: KSK in Zahlen, Entwicklung der Versichertenzahlen nach Berufsgruppen, Geschlecht und Alter zum 01.01.2026 auf Bundesebene; Institut für Freie Berufe Nürnberg 2016-2025: Anteil der Frauen an den Selbstständigen in Freien Berufen in Deutschland, jeweils zum 1. Januar des Jahres
- Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Kulturberufen: Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) 2026: Datenbanken Beschäftigungsstatistik
- Theaterpersonal: Deutscher Bühnenverein 2024: Theaterstatistik 2023/24
Anmerkungen:
Zu 1. KSK in Zahlen/Institut für Freie Berufe Nürnberg
- Dargestellt sind die aktiv Versicherten in der Künstlersozialkasse, jeweils zum 01.01. des Berichtsjahres.
- In der Künstlersozialkasse (KSK) sind selbstständige Künstler*innen (in den Bereichen Musik, darstellende Kunst oder bildende Kunst einschließlich Design) und Publizist*innen versichert. Wenn das Arbeitseinkommen nicht über der Geringfügigkeitsgrenze von 3.900 Euro liegt, kann die KSK im Regelfall nicht genutzt werden, die einzige Ausnahme bilden Berufsanfänger*innen.
Zu 2. Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA)
- Die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtet über sozialversicherungspflichtig und geringfügig beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie über ihre Beschäftigungsverhältnisse.
- Die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit ist eine Vollerhebung.
- Die statistische Berichterstattung erfolgt monatlich mit einer Wartezeit von 6 Monaten.
- Grundlage der Auswahl der dargestellten Berufe ist eine vom Arbeitskreis Kulturstatistik erstellte Liste von Kulturberufen anhand der Klassifikation der Berufe (KldB 2010). (vgl. Statistisches Bundesamt (2026): ERWERBSTÄTIGE IN KULTUR UND KULTURWIRTSCHAFT. Sonderauswertung aus dem Mikrozensus). Hier dargestellt sind vor allem künstlerische/gestalterische Berufe. Nicht dargestellt sind folgende Berufsgruppen: "Buch-Kunst-, Antiquitäten- und Musikfachhandel", "Veranstaltungsservice und -management", "Medien-, Dokumentations- und Informationsdienst", Lehrtätigkeit an außerschulischen Bildungseinrichtungen", "Geisteswissenschaften", "Verlags- und Medienwirtschaft", "Innenarchitektur, Raumausstattung", "Kunsthandwerkliche Keramik- und Glasgestaltung", "Kunsthandwerkliche Metallgestaltung" sowie "Musikinstrumentenbau".
Zu 3. Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins
- Die Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins gibt einen Überblick über die wichtigsten Daten der öffentlich getragenen und privaten Theater, der Orchester und Festspielunternehmen in Deutschland.
- Die Theaterstatistik ist keine Vollerhebung.
- Alle dem Deutschen Bühnenverein bekannten Theater- und Orchesterbetriebe in Deutschland werden jährlich um ihre Beteiligung an der Datenerhebung aufgerufen.
- Erfasst wird das abhängig beschäftigte Personal zum 01.01 des Berichtsjahres.
- Unter den insgesamt 42.358 ständig Beschäftigten sind 37 Personen mit der Geschlechtsangabe „divers“. Sie werden in der Grafik nicht dargestellt.