meta-IFiF-Abschlusstagung am 30. September 2026
Die Abschlusstagung "Innovative Frauen sichtbar machen – Hochschulkommunikation & Gleichstellung gestalten Wandel" fand in Berlin statt und mehr als 150 Gäste vor Ort sowie im Livestream verfolgten die Veranstaltung im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). In Kürze finden Sie hier den Nachbericht, einen Video-Tagungsbericht, die Livestream-Aufzeichnung und Impressionen von der Veranstaltung.
Innovative Frauen sichtbar machen – Hochschulkommunikation und Gleichstellung gestalten Wandel
Wie können Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen dazu beitragen, Wissenschaftlerinnen und ihre Leistungen nachhaltig sichtbar zu machen? Welche Strukturen müssen verändert werden und wie können Hochschulleitung, Kommunikation und Gleichstellung dabei zusammenwirken?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt der meta-IFiF-Abschlusstagung. Vertreter*innen aus Wissenschaft, Hochschulleitung, Gleichstellung und Kommunikation diskutierten Forschungsergebnisse, erprobte Maßnahmen und neue Ansätze für mehr Sichtbarkeit und Chancengerechtigkeit.
Begrüßung: Sichtbarkeit als Voraussetzung für Teilhabe
Begrüßung: Sichtbarkeit als Voraussetzung für Teilhabe
Begrüßung: Sichtbarkeit als Voraussetzung für Teilhabe
Zur Eröffnung betonte Christina Rouvray, Projektleiterin des Metavorhabens “Innovative Frauen im Fokus“ (meta-IFiF), dass Sichtbarkeit einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wessen Expertise wahrgenommen wird, wer als innovativ gilt und wer als Vorbild in Erscheinung tritt. Sie betonte, welche besondere Rolle dabei Hochschulleitungen, Hochschulkommunikation und Gleichstellungsakteur*innen zukommt, denn diese Gruppen gestalten an Hochschulen die Rahmenbedingungen dafür, welche Geschichten erzählt werden, welche Leistungen Anerkennung erfahren und wer als Expert*in sichtbar wird.
Grußwort des BMFTR: Das Potenzial aller nutzen
Grußwort des BMFTR: Das Potenzial aller nutzen
Dr. Verena Hebbecker, Leiterin des Referats "Chancengerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung" im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), unterstrich in ihrem Grußwort die Bedeutung der Förderrichtlinie "Innovative Frauen im Fokus". Mehr Sichtbarkeit sei sowohl eine Frage der Gerechtigkeit als auch eine Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit Deutschlands. Es genüge dabei nicht, Frauen aufzufordern, sichtbarer zu werden. Vielmehr müssten Routinen und Prozesse in Organisationen hinterfragt und Bedingungen geschaffen werden, unter denen Frauen Sichtbarkeit selbstbestimmt gestalten können.
Keynote: Vom Denken zum Handeln: Transformation sichtbar gestalten
Keynote: Vom Denken zum Handeln: Transformation sichtbar gestalten
In ihrer Keynote zeigte Prof. Dr. Maren Urner, wie kognitive Mechanismen und gesellschaftliche Erzählungen beeinflussen, was und wer wahrgenommen wird. Am Beispiel des Klimawandels machte sie deutlich, dass Zahlen, Daten und Fakten meist nicht ausreichen, um Veränderungen im Handeln anzustoßen. Menschen verändern ihr Handeln vor allem dann, wenn die Informationen Emotionen hervorrufen und möglichst mit einem positiven Ziel verbunden sind.
Als drei zentrale Herausforderungen beschrieb sie den menschlichen Hang zum Negativen, das "Lagerdenken", also das Denken in voneinander abgegrenzten Gruppen und die Macht von Gewohnheiten. Dem setzte sie drei Elemente eines dynamischen Denkens entgegen: ein "Wofür statt Wogegen", die Suche nach dem Verbindenden innerhalb von Gruppen und neue Geschichten darüber, was gesellschaftlich als normal und erfolgreich gilt.
Gerade mit Blick auf aktuelle Gegenbewegungen gegen Gleichstellung und Vielfalt lautete ihr Appell, positive Zukunftsbilder zu entwickeln, Lösungen und Humor einzubinden und gemeinsam für Veränderung einzutreten.
Podiumsdiskussion: Sichtbarkeit als Treiber von Innovation – die Rolle von Kommunikation, Gleichstellung und Hochschulleitung
Podiumsdiskussion: Sichtbarkeit als Treiber von Innovation – die Rolle von Kommunikation, Gleichstellung und Hochschulleitung
In der Podiumsdiskussion diskutierten Prof. Dr. Angela Ittel (HRK-Vizepräsidentin für Internationales, Gleichstellung und Diversität & Präsidentin der TU Braunschweig), Prof. Dr. Philip Pohlenz (Professor für Hochschulforschung, OVGU Magdeburg), Alexandra Kühnen (bukof Vorständin & stellv. Gleichstellungsbeauftragte Universität Bielefeld) und Katja B. Bär (Vorsitzende Bundesverband Hochschulkommunikation & Chief Communication Officer Universität Jena ) über strukturelle Ursachen von (Un-)Sichtbarkeit, den Einfluss von Hochschulleitungen sowie das Zusammenspiel von Kommunikation und Gleichstellung.
Zwei Projektimpulse eröffneten zusätzliche Perspektiven: Prof. Dr. Clarissa Rudolph vom IFiF-Projekt "Digital Hate" rückte die Risiken öffentlicher Sichtbarkeit und den notwendigen Schutz vor digitaler Gewalt in den Mittelpunkt. Dr. Lara Altenstädter vom IFiF-Projekt "EXENKO" zeigte, wie Exzellenzvorstellungen und Kommunikationsroutinen beeinflussen, wessen Leistungen wahrgenommen werden. Beide Beiträge unterstrichen, dass Hochschulen Verantwortung für faire und sichere Sichtbarkeit übernehmen müssen.
In der Diskussion wurde deutlich, dass Sichtbarkeit und Gleichstellung strategisch zusammengedacht werden sollten. Hochschulleitungen setzen Ziele, schaffen Verbindlichkeit und stellen Ressourcen bereit. Gleichstellungsakteur*innen bringen ihre Expertise, beispielsweise im Hinblick auf strukturelle Benachteiligungen oder Exzellenzzuschreibungen, ein. Die Hochschulkommunikation wiederum entscheidet durch Themenauswahl, Bildsprache und die Vermittlung von Expertinnen und Experten mit darüber, wer öffentlich wahrgenommen wird. Zugleich darf Sichtbarkeit nicht zur Verpflichtung für jede einzelne Wissenschaftlerin werden. Hochschulen müssen diejenigen unterstützen, die öffentlich in Erscheinung treten möchten, und institutionelle Unterstützungsangebote in konfliktbehafteten Situationen (z.B. Hate Speech) sicherstellen.
Innovation Walks: Austausch und Vernetzung
Innovation Walks: Austausch und Vernetzung
Bei zwei Innovation Walks präsentierten Projekte aus der Förderrichtlinie "Innovative Frauen im Fokus" sowie weitere Projekte, die sich für die Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen einsetzen, ihre Forschungsfragen, Methoden, Ergebnisse und entwickelten Maßnahmen. An Informationsständen konnten die Teilnehmenden direkt mit den Projektteams ins Gespräch kommen.
Die große thematische Bandbreite reichte von historischen Beiträgen bislang übersehener Frauen über Sichtbarkeitsmaßnahmen im Bereich Kunst und sozialen Innovationsfeldern bis hin zu digitaler Gewalt und der Frage nach den psychologischen Faktoren für Sichtbarkeit. Die Innovation Walks boten zugleich Raum für Vernetzung, neue Kooperationen und den Transfer der Projektergebnisse in andere Organisationen.
Im Rahmen der Innovation Walks fanden außerdem drei Lightning Talks und ein Workshop statt, in denen ausgewählte Themen vertieft wurden:
Lightning-Talk des IFiF-Projekts "Lost in Archives"
Drei Lightning Talks zu Projektergebnissen
Das Projekt forscht zu Frauen, die im 18. und frühen 19. Jahrhundert unter anderem im Theater und in der Literatur tätig waren, später jedoch aus dem kollektiven Gedächtnis verschwanden. Vorgestellt wurden die Herausforderungen der Archivrecherche sowie unterschiedliche Formate, mit denen die wiederentdeckten Biografien und Werke erneut zugänglich gemacht werden.
Lightning-Talk des IFiF-Projekts "Women in Quantum Tech"
Der Lightning Talk beleuchtete die ambivalenten Sichtbarkeitserfahrungen von Frauen in den Quantentechnologien. Während Wissenschaftlerinnen einerseits in Leitungspositionen, bei Fachvorträgen und Auszeichnungen unterrepräsentiert sind, erleben diejenigen Frauen, die sichtbar werden, oftmals eine besondere Form der Aufmerksamkeit: sie werden immer als Ausnahme wahrgenommen, stehen stärker im Fokus und werden häufiger genauer beobachtet als ihre männlichen Kollegen.
Lightning-Talk des IFiF-Projekts "Gender Innovationen"
Vorgestellt wurden erste Ergebnisse zu wissenschaftlichen Organisationen von Frauen in verschiedenen Disziplinen. Diese Organisationen schaffen Netzwerke, fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs, organisieren Tagungen und Publikationen und tragen dazu bei, feministische Perspektiven in Forschung und Lehre zu verankern. Viele von
Workshop "Sichtbarkeit gemeinsam gestalten"
Workshop "Sichtbarkeit gemeinsam gestalten"
Der Workshop richtete sich an Wissenschaftler*innen sowie Vertreter*innen aus Hochschulkommunikation und Gleichstellung, die gemeinsam Strategien der Sichtbarmachung weiterentwickeln wollten. Diskutiert wurde unter anderem, wie die verschiedenen Expertisen besser miteinander verbunden, Informationswege verbessert und strukturelle Barrieren für die Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen abgebaut werden können.
Dialog zu den Handlungsempfehlungen
Dialog zu den Handlungsempfehlungen
Zum Einstieg in den Dialog präsentierten Ines Großkopf und Julia Meyer, Projektmitarbeiterinnen von meta-IFiF, die Publikation "Innovative Frauen sichtbar machen. Handreichung für Kommunikation & Gleichstellung in Hochschulen, Unternehmen und Organisationen", in der Handlungsempfehlungen für mehr Sichtbarkeit von Frauen vorgestellt werden. Die Handreichung bündelt Erkenntnisse aus den Projekten der Förderrichtlinie und weiteren Initiativen. Sie verbindet Forschungsergebnisse mit konkreten Empfehlungen, Praxisbeispielen und Tools für die Umsetzung von Sichtbarkeitsmaßnahmen.
Für die praktische Umsetzung wurde eine Roadmap entwickelt, die die Handlungsempfehlungen als Organisationsentwicklungsprozess in fünf Schritten darstellt: Sichtbarkeit strategisch verankern, Strukturen verändern, Kompetenzen stärken und Frauen empowern, Kommunikation aktiv gestalten sowie Evaluation und Verstetigung.
Anhand der Initiative "25 in 25" des OFFIS – Institut für Informatik und des Leitfadens für eine geschlechtersensible Kommunikationspraxis der Hochschule München wurde gezeigt, wie Organisationen die Empfehlungen praktisch umsetzen können. Beide Beispiele verdeutlichen, dass nachhaltige Veränderungen nicht durch isolierte Einzelmaßnahmen entstehen, sondern durch das Zusammenspiel von strategischen Zielen, veränderten Prozessen, Kompetenzentwicklung und kontinuierlicher Kommunikation.
Im anschließenden Gespräch mit Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Wissenschaftskommunikation der HTW Berlin, standen die Roadmap als Orientierungsrahmen, die Verantwortung von Hochschulleitungen und die Gestaltung geschlechtersensibler Wissenschaftskommunikation im Mittelpunkt. Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring hob hervor, dass Hochschulleitungen Gleichstellung und Sichtbarkeit in Strategien und Hochschulentwicklungsplänen verankern und die verschiedenen Bereiche einer Hochschule zusammenbringen können. Fachbereiche wiederum seien nah an Wissenschaftler*innen und Studierenden und könnten Themen und Personen identifizieren, die bislang zu wenig sichtbar würden.
Geschlechtersensible Wissenschaftskommunikation müsse sowohl die Absender*innen als auch unterschiedliche Zielgruppen berücksichtigen. Als niedrigschwellige Maßnahmen nannte sie unter anderem die systematische Sichtung neuer Forschungsprojekte, die aktive Ansprache von Projektteams, die Nutzung von Expertinnendatenbanken sowie eine ausgewogene Besetzung von Podien und Veranstaltungen.
Ihr abschließender Impuls: Hochschulen verfügen bereits über einen großen Schatz an Expertise. Entscheidend ist, ihn zu erkennen, auch jenseits klassischer Reputationskriterien nach interessanten Personen und Themen zu suchen und diejenigen zu unterstützen, die sichtbar werden möchten.