Frauenanteil an Kunsthochschulen
Frauen an Kunsthochschulen: Vom Studium zur Professur
Kunsthochschulen sind wichtige Orte künstlerischer und gestalterischer Innovation. Welche Perspektiven die Entwicklung von Kunst, Kultur und Forschung prägen, hängt auch davon ab, wer in den verschiedenen Karrierestufen vertreten ist. Die Frauenanteile unter Studierenden, beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal sowie auf Professuren geben Aufschluss darüber, inwieweit die Potenziale von Frauen entlang verschiedener Positionen an Kunsthochschulen sichtbar bleiben.
In den künstlerischen Fächern insgesamt liegt der Frauenanteil unter den Studierenden (58,4 Prozent) deutlich über dem Frauenanteil an Professuren (37,6 Prozent). Auch beim hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personal unterhalb der Professur sind Frauen mit 51,0 Prozent stärker vertreten als auf Professuren.
Besonders deutlich ist diese Diskrepanz im Bereich „Musik, Musikwissenschaft“. Unter den Studierenden ist das Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen (Frauenanteil 52,2 Prozent), ebenso beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal unterhalb der Professur (47,7 Prozent). Auf Ebene der Professuren liegt der Frauenanteil jedoch bei lediglich 29,1 Prozent. Dieser Bereich ist zugleich der größte innerhalb der künstlerischen Fächer. Rund die Hälfte aller Studierenden, 55 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals unterhalb der Professur sowie rund 62 Prozent der Professuren entfallen auf den Bereich „Musik, Musikwissenschaft“. Noch größer fällt die Differenz im Bereich „Kunst, Kunstwissenschaft allgemein“ aus, auch wenn hier die Hälfte (50,9 Prozent) der Professor*innen weiblich ist. Sowohl unter den Studierenden als auch beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal unterhalb der Professur liegt der Frauenanteil jedoch mit jeweils 76,5 Prozent deutlich darüber. In den übrigen künstlerischen Fächern liegt der Frauenanteil unter den Studierenden zwar ebenfalls über dem Anteil an Professuren, die Differenzen fallen mit maximal 13 Prozentpunkten jedoch deutlich geringer aus.
Insgesamt zeigt sich: Frauen stellen in allen künstlerischen Studienbereichen die Mehrheit der Studierenden. Diese hohe Beteiligung schlägt sich jedoch nicht in gleichem Maße in Professuren nieder. Besonders ausgeprägt ist die Diskrepanz im Bereich "Kunst, Kunstwissenschaft allgemein" und im Bereich „Musik, Musikwissenschaft“.
Warum sich die hohen Frauenanteile unter Studierenden nicht in gleichem Maße in Professuren niederschlagen, lässt sich anhand von Hochschuldaten allein nicht beantworten. Da der Weg zu einer Professur an Kunsthochschulen in der Regel über herausragende künstlerische Leistungen außerhalb der Hochschule führt, lohnt sich ein Blick auf die Geschlechterverhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb. Mehr zu Frauen in Kunst- und Kulturberufen
Weitere Infos
Studium: In den meisten künstlerischen Studienbereichen an Kunsthochschulen studieren mehr Frauen als Männer. Besonders hoch ist der Frauenanteil in den Studienfächern „Restaurierungskunde“ (92,7 Prozent), „Textilgestaltung“ (81,0 Prozent) sowie „Kunsterziehung“, „Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft“, „Theaterwissenschaft“, „Tanzpädagogik“ und „Darstellende Kunst/Bühnenkunst/Regie“ (jeweils über 70 Prozent). Die niedrigsten Frauenanteile weisen die Studienfächer „Tonmeister“ (15,2 Prozent) und „Jazz und Popularmusik“ (25,2 Prozent) auf. Vergleichsweise wenige Frauen studieren zudem „Komposition“ (36,5 Prozent), „Kirchenmusik“ (34,0 Prozent) und „Dirigieren“ (41,2 Prozent). In allen übrigen Studienfächern liegt der Frauenanteil bei mindestens 50 Prozent.
Abschlüsse: Eine Differenzierung nach Hochschulart und Studienbereich ist anhand der Hochschuldaten des Statistischen Bundesamtes nicht möglich. Daher werden hier Abschlüsse an Kunsthochschulen insgesamt betrachtet. Darin enthalten sind auch Abschlüsse in nicht-künstlerischen Fächern, auf die allerdings nur rund 7 Prozent der Studierenden entfallen. Im Jahr 2024 wurden 59,4 Prozent aller bestandenen Prüfungen von Frauen abgelegt. Den Großteil der Abschlüsse bilden Bachelorabschlüsse (Frauenanteil 58,5 Prozent), Masterabschlüsse (59,4 Prozent) sowie künstlerische Abschlüsse (57,0 Prozent). Unter den Absolvent*innen von Lehramtsstudiengängen liegt der Frauenanteil mit 66,4 Prozent noch höher. Promotionen spielen an Kunsthochschulen nur eine untergeordnete Rolle. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 27 Promotionen abgeschlossen, darunter 16 von Frauen.
Wissenschaftliches und künstlerisches Personal: Neben den Professuren stellen wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeitende die größte Gruppe des hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personals an Kunsthochschulen dar. In den künstlerischen Fächern liegt ihr Frauenanteil bei 54,3 Prozent. Unter den Lehrkräften für besondere Aufgaben fällt der Frauenanteil mit 45,7 Prozent geringer aus. Die Gruppe der Dozent*innen und Assistenzen ist mit insgesamt 85 Personen vergleichsweise klein; hier beträgt der Frauenanteil 55,3 Prozent.
An Kunsthochschulen sind rund 60 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals nebenberuflich beschäftigt. Zum Vergleich: An Universitäten liegt dieser Anteil bei rund 20 Prozent. Bei den nebenberuflich Beschäftigten handelt es sich überwiegend um Lehrbeauftragte, auf die 92 Prozent dieser Beschäftigtengruppe entfallen. Lehrbeauftragte haben an Musikhochschulen eine besondere Funktion, da dort ein großer Teil des Instrumentalunterrichts als Einzelunterricht stattfindet.1 Der Frauenanteil unter den Lehrbeauftragten in künstlerischen Fächern beträgt 43,3 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Anteil beim hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personal unterhalb der Professur (51,0 Prozent).
Professuren: Auch an Kunsthochschulen zeigt sich ein Muster, das für die Hochschullandschaft insgesamt typisch ist: Mit steigender Besoldungsstufe sinkt der Frauenanteil. Während Frauen bei C2-Professuren sowie W2- bzw. C3-Professuren jeweils knapp 40 Prozent der Professuren besetzen, beträgt ihr Anteil an den höchstdotierten W3- bzw. C4-Professuren lediglich 33,8 Prozent. W2-/C3- und W3-/C4-Professuren bilden mit insgesamt 2.005 Stellen den größten Teil der Professuren an Kunsthochschulen.
Hinweise zu den Daten
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Die Grafiken und die zu Grunde liegenden Daten können jeweils durch einen Linksklick auf die drei Striche rechts oben am Rand der Grafik heruntergeladen werden. Bei Weiterverwendung der Grafiken oder Daten bitten wir um Angabe der Quellen.
Datenquelle:
1. Studierende an Kunsthochschulen: Statistisches Bundesamt 2025: Statistik der Studierenden, Statistischer Bericht - Wintersemester 2024/2025
2. Personal, Professuren an Kunsthochschulen: Statistisches Bundesamt 2025: Statistik des Hochschulpersonals, Statistischer Bericht - Berichtsjahr 2024
3. (nicht grafisch dargestellt): Abschlüsse in künstlerischen Fächern: Statistisches Bundesamt 2025: Statistik der Prüfungen, Statistischer Bericht - Prüfungsjahr 2024
Anmerkungen:
Zu 1. Statistik der Studierenden
- Die Statistik wird semesterweise (halbjährlich) durchgeführt. Berichtszeitraum ist das Sommersemester und das Wintersemester.
- Grundgesamtheit sind Studierende semesterweise, jeweils nach Ablauf der Immatrikulationsfrist.
- Die Statistik der Studierenden basiert auf Verwaltungsdaten der Hochschulen, die für administrative Zwecke erhoben wurden. Die Studierendenstatistik ist eine Sekundärerhebung (Vollerhebung).
- Die Zahlen zu Studierenden basieren auf den Angaben zum Wintersemester.
Zu 2. Statistik des Hochschulpersonals
- Die Statistik erscheint einmal jährlich mit Stichtag zum 1. Dezember.
- Die Grundgesamtheit ist das am Stichtag neben- oder hauptberuflich tätige Personal.
- Die Datengewinnung erfolgt über die Verwaltungsdaten der Hochschulen, die für administrative Zwecke erhoben werden. Die Personalstatistik ist eine Sekundärerhebung (Vollerhebung) auf der Basis der Verwaltungsdaten der Hochschulen.
- Bei den Professuren werden nur hauptberufliche Professuren ohne Gastprofessuren aufgeführt.
Zu 3. Statistik der Prüfungen
- Die Statistik erscheint einmal jährlich. Berichtszeitraum ist das Prüfungsjahr (Wintersemester und darauf folgendes Sommersemester).
- Die Grundgesamtheit umfasst alle im Prüfungsjahr (Wintersemester und darauf folgendes Sommersemester) abgelegten Abschlussprüfungen an Hochschulen.
- Die Datengewinnung erfolgt über die Verwaltungsdaten der staatlichen und kirchlichen Prüfungsämter, die für administrative Zwecke erhoben wurden. Die Prüfungsstatistik ist eine Sekundärerhebung (Vollerhebung).