Frauenanteil an Professuren an Kunsthochschulen

Wie hoch ist der Frauenanteil bei Professuren an Kunsthochschulen?

Kunsthochschulen nehmen innerhalb der deutschen Hochschullandschaft eine besondere Stellung ein. Sie verbinden Lehre, künstlerische Praxis, künstlerische Entwicklungsvorhaben und kunstbezogene Forschung. Als Ausbildungs- und Arbeitsorte für zukünftige Künstler*innen, Designer*innen, Darsteller*innen, Musiker*innen und Wissenschaftler*innen prägen sie maßgeblich die Entwicklung von Kunst und Kultur. Professor*innen übernehmen dabei eine zentrale Rolle: Sie gestalten Lehre und Forschung und beeinflussen, welche Themen, Perspektiven und Talente sichtbar werden. Ein Blick auf die Geschlechterverteilung unter Professor*innen zeigt, wie stark Frauen an diesen zentralen Positionen vertreten sind.

In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 52 Kunsthochschulen.1 Diese lassen sich in Hochschulen für bildende Kunst, Musikhochschulen (einschließlich Darstellender Kunst) sowie Hochschulen für Neue Medien einteilen. Mehr als die Hälfte der Einrichtungen sind Musikhochschulen, rund ein Drittel Hochschulen für Bildende Kunst.2

Durch die besondere Ausrichtung von Kunsthochschulen unterscheidet sich ihre Personalstruktur von der an Universitäten. Professor*innen stellen hier die größte Gruppe des hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personals dar. In künstlerischen Fächern, die an Kunsthochschulen dominieren, führt der Weg zur Professur (mit wenigen Ausnahmen) nicht über eine Promotion, sondern über den Nachweis herausragender künstlerischer Leistungen, die in der Regel außerhalb der Hochschule erbracht werden. Daher können sich Geschlechterungleichheiten im Kunst- und Kulturbetrieb auch auf die Besetzung von Professuren an Kunsthochschulen auswirken.3 Mehr zum Frauenanteil in Kulturberufen

Frauen sind unter den Professor*innen an Kunsthochschulen weiterhin in der Unterzahl, auch wenn ihr Anteil stetig steigt. Im Jahr 1997 waren 1.652 Männer und 474 Frauen als Professor*innen an Kunsthochschulen tätig, was einem Frauenanteil von 22,3 Prozent entspricht. Im Jahr 2015 überschritt der Professorinnenanteil erstmals die Marke von 30 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Frauenanteil durchschnittlich um 0,8 Prozentpunkte pro Jahr. Die Entwicklung hat sich damit im Vergleich zu früheren Jahren etwas beschleunigt. Im Jahr 2024 waren 1.529 Männer und 931 Frauen an Kunsthochschulen auf einer Professur tätig. Der Frauenanteil an Kunsthochschulprofessuren lag 2024 entsprechend bei 37,8 Prozent und war damit deutlich höher als an Hochschulprofessuren insgesamt (29,7 Prozent). Mehr zum Frauenanteil an Professuren

Professorinnenanteil an Kunsthochschulen nach Lehr- und Forschungsbereich

Musik mit dem niedrigsten Professorinnenanteil

Die Fächergruppe „Kunst, Kunstwissenschaft“ ist mit 1.437 Professoren und 867 Professorinnen im Jahr 2024 die mit Abstand größte an Kunsthochschulen. Auf sie entfallen rund 94 Prozent aller Professuren. Andere Fächergruppen sind gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang vertreten und werden daher im Folgenden nicht berücksichtigt.

Innerhalb der Fächergruppe „Kunst, Kunstwissenschaft“ weisen die meisten Lehr- und Forschungsbereiche einen Frauenanteil von über 50 Prozent bei den Professuren auf. Den höchsten Frauenanteil verzeichnet der Bereich „Gestaltung“ mit 51,7 Prozent (108 Frauen und 101 Männer). Es folgen „Bildende Kunst“ mit 51,5 Prozent (174 Frauen und 164 Männer), „Darstellende Kunst, Film und Fernsehen, Theaterwissenschaft“ mit 51,1 Prozent (116 Frauen und 111 Männer) sowie „Kunst, Kunstwissenschaften allgemein“ mit 50,9 Prozent (55 Frauen und 53 Männer).

Der einzige Lehr- und Forschungsbereich mit einem Professorinnenanteil von unter 50 Prozent ist „Musik, Musikwissenschaft“. Mit 29,1 Prozent weist er den mit Abstand niedrigsten Frauenanteil innerhalb der Fächergruppe auf. Zugleich handelt es sich um den mit Abstand größten Lehr- und Forschungsbereich mit insgesamt 1.422 Professuren (414 Frauen und 1.008 Männer). Dadurch fällt auch der Frauenanteil in der Fächergruppe „Kunst, Kunstwissenschaft“ insgesamt mit 37,6 Prozent deutlich niedriger aus, als die Geschlechterverteilung in den übrigen Bereichen vermuten lässt.

Deutliche Unterschiede in der Entwicklung der Frauenanteile

Deutliche Unterschiede in der Entwicklung der Frauenanteile

Die Betrachtung der einzelnen Lehr- und Forschungsbereiche im Zeitverlauf zeigt, dass der Frauenanteil an den Professuren in den meisten Bereichen deutlich gestiegen ist. Die stärkste Entwicklung verzeichnete der Bereich „Gestaltung“. Hier erhöhte sich der Frauenanteil von 13,2 Prozent im Jahr 2001 auf 43,7 Prozent im Jahr 2021 und hat sich damit mehr als verdreifacht. Bis 2024 stieg er weiter auf 51,7 Prozent, sodass das Geschlechterverhältnis inzwischen ausgeglichen ist.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in den Bereichen „Kunst, Kunstwissenschaften allgemein“ und „Bildende Kunst“. Zwischen 2001 und 2021 hat sich der Frauenanteil an den Professuren in beiden Bereichen mehr als verdoppelt und lag 2021 bereits bei über 45 Prozent.

Im Lehr- und Forschungsbereich „Darstellende Kunst, Film und Fernsehen, Theaterwissenschaft“ waren bereits im Jahr 2001 mehr als 30 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt. Bis zum Jahr 2021 stieg ihr Anteil auf 48,8 Prozent.

Die geringste Veränderung zeigt der Lehr- und Forschungsbereich „Musik, Musikwissenschaft“. Mit 23 Prozent lag der Frauenanteil bei den Professuren hier bereits 2001 vergleichsweise hoch, stieg in den folgenden zwanzig Jahren jedoch nur auf 25,7 Prozent. Auch 2024 sind dort weniger als 30 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt (29,1 Prozent). Allerdings erhöhte sich der Frauenanteil zwischen 2021 und 2024 stärker als im gesamten Zeitraum von 2001 bis 2021.

Fazit

Insgesamt zeigen die Zahlen: Frauen sind in Professuren an Kunsthochschulen vergleichsweise stark vertreten. Mit 37,8 Prozent ist der Frauenanteil an Kunsthochschulprofessuren deutlich höher als an Hochschulprofessuren insgesamt (29,7 Prozent). Gleichzeitig bestehen deutliche Unterschiede zwischen den künstlerischen Lehr- und Forschungsbereichen. Im Bereich Musik sind Professorinnen deutlich seltener vertreten als in den übrigen Bereichen. Inwieweit die Geschlechterverteilung an Professuren den Frauenanteilen in früheren Qualifikationsstufen entspricht, zeigt ein Blick auf Studium und Abschlüsse an Kunsthochschulen. Mehr zum Frauenanteil an Kunsthochschulen

Literatur

Literatur

1 Statistisches Bundesamt (2026): Hochschulen nach Hochschularten. Online: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Tabellen/hochschulen-hochschularten.html (Abgerufen am 31.08.2026).

2 Statistisches Bundesamt 2025: Statistik des Hochschulpersonals, Statistischer Bericht - Berichtsjahr 2024; eigene Berechnung

3 Löther, Andrea (2020): Geschlechtergleichstellung an Kunst- und Musikhochschulen. In Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung. 24. Fortschreibung des Datenmaterials (2018/2019) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen (S. 1-30). Bonn: Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK).

Weiterführende Publikationen

Hinweise zu den Daten

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Die Grafiken und die zu Grunde liegenden Daten können jeweils durch einen Linksklick auf die drei Striche rechts oben am Rand der Grafik heruntergeladen werden. Bei Weiterverwendung der Grafiken oder Daten bitten wir um Angabe der Quellen.

Datenquellen:

Statistisches Bundesamt 2025: Statistik des Hochschulpersonals, Statistischer Bericht - Berichtsjahr 2024

Anmerkungen:

  • Die Statistik erscheint einmal jährlich mit dem Stichtag: 1.12. im Berichtsjahr. 
  • Erfasst wird das am Stichtag neben- oder hauptberuflich tätige Personal. 
  • Die Datengewinnung erfolgt über die Verwaltungsdaten der Hochschulen, die für administrative Zwecke erhoben werden.
  • Bei den Professuren werden nur hauptberufliche Professuren ohne Gastprofessuren aufgeführt.