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DIN-Norm für Gleichstellung in Organisationen

Seit diesem Jahr gibt es eine DIN-Norm für Gleichstellung und das Empowerment von Frauen in Organisationen: die DIN EN ISO 53800. Sie soll den Wandel in Organisationen anstoßen.

Lange galten Normen als „biased“: Aufgrund der Unterrepräsentation von Frauen in Normungsgremien und der Ausrichtung vieler Normen an männlichen Körpern, von Sicherheitsgurten bis zur Klimatisierung von Gebäuden, wurden ihre Auswirkungen auf Frauen häufig unzureichend berücksichtigt. Nun soll eine Norm Gleichstellung und das Empowerment von Frauen in Organisationen fördern.

Doch was leistet eine solche Norm, und wo liegen ihre Grenzen? Im Gender-Blog analysieren Dr. Tanja Kubes, Em Kunz und Matthias Schneider die Potenziale und Grenzen der DIN EN ISO 53800. Sie stellen Fragen zu Geschlechtervielfalt, Intersektionalität und Postkolonialität sowie dazu, welche Organisationstypen die Norm überhaupt adressiert und welche Zugangshürden bestehen.

Festhalten lässt sich: Die Norm ist ein Novum. Wo Normen einst aus der Kriegswirtschaft hervorgingen und lange einen männlichen Bias aufwiesen, liegt nun ein eindrucksvoller Leitfaden vor, der Gleichstellung in Organisationen fördern soll. Zugleich zeigen die Autor*innen einige Leerstellen auf, etwa hinsichtlich der Vielfalt der Geschlechter, der Intersektionalität und der Postkolonialität sowie im Hinblick auf die Unterschiedlichkeit von Organisationstypen. Darüber hinaus spielen Zugangsbarrieren eine nicht unerhebliche Rolle: So ist der Leitfaden beispielsweise mit einer Bezahlschranke von knapp 170 Euro versehen. Gerade für finanzschwache Organisationen stellt dies eine Hürde dar und erschwert es, Methoden und Instrumente zur Förderung von Gleichstellung in die Breite der Organisationslandschaft zu tragen.

Normen entfalten ihre Wirkung jedoch erst, wenn sie in die Praxis übersetzt werden. Dort entstehen häufig kreative Aneignungsprozesse, in denen sich solche Leerstellen füllen lassen. Hinzu kommt, dass Normen regelmäßig auf ihre Aktualität geprüft und bei Bedarf überarbeitet werden. Auch dies eröffnet die Möglichkeit, bestehende Defizite künftig zu beheben. Die DIN EN ISO 53800 ist damit ein vielversprechender Anfang, dessen Potenzial sich erst in den kommenden Jahren vollständig entfalten dürfte, so die Autor*innen.