Der neue Daten- und Fakten-Bereich von meta-IFiF "Frauen in Kunst und Kultur" bündelt zentrale Kennzahlen zur Repräsentanz von Frauen an Kunsthochschulen sowie im Kunst- und Kulturbetrieb. Die Daten zeigen: Frauen sind in vielen Bereichen stark präsent, ihre Anteile unterscheiden sich jedoch je nach Berufsfeld und Karrierestufe deutlich.
Frauen- und Männeranteile an Kunsthochschulen
An Kunsthochschulen studieren in den meisten Fachrichtungen deutlich mehr Frauen als Männer. Insgesamt liegt ihr Anteil in den künstlerischen Fächern bei 58,4 Prozent. Auf den höheren Karrierestufen spiegelt sich diese starke Präsenz jedoch nicht vollständig wider. Zwar ist der Frauenanteil an Professuren an Kunsthochschulen mit 37,6 Prozent höher als im Hochschulsystem insgesamt (29,7 Prozent), dennoch sind Frauen dort weiterhin deutlich seltener vertreten als im Studium, bei den Abschlüssen sowie beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal unterhalb der Professur.
Besonders auffällig ist die Situation im Bereich Musik, dem größten Lehr- und Forschungsbereich an Kunsthochschulen. Frauen sind hier deutlich seltener vertreten als in den übrigen künstlerischen Fächern. Auch bei den Professuren zeigt sich im Zeitverlauf die geringste Annäherung an ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis. Seit 2001 stieg der Frauenanteil bei Musikprofessuren um lediglich sechs Prozentpunkte und liegt aktuell bei 29,1 Prozent.
Frauenanteile in Berufsfeldern von Kunst und Kultur
Doch wie setzt sich die starke Präsenz von Frauen nach dem Studium fort? Ein Blick auf den Kunst- und Kulturbetrieb zeigt, in welchen Berufsfeldern Frauen tätig sind und welche Positionen sie dort erreichen. Zugleich ist dieser Bereich für Kunsthochschulen besonders relevant, da Professuren meist eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn außerhalb der Hochschule voraussetzen:
Unter Selbstständigen in freien Kulturberufen ist das Geschlechterverhältnis im Jahr 2026 fast ausgeglichen (Frauenanteil 48,8 Prozent), unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kulturberufen sind Frauen sogar in der Überzahl (54,7 Prozent). Allerdings gibt es auch hier deutlich männer- sowie frauendominierte Bereiche. Im Bereich Musik sind vergleichsweise weniger Frauen vertreten, ebenso wie in technischen Bereichen.
Ein Blick auf das Personal in Theatern und Orchestern zeigt: Die starke Präsenz von Frauen in Kunst und Kultur spiegelt sich noch nicht überall in Führungspositionen wider. Während der Frauenanteil beim künstlerischen Personal in der Spielzeit 2023/24 bei 51 Prozent lag, waren Leitungspositionen wie Intendanz, Verwaltungsdirektion, Spartenleitung, Chefdramaturgie und Chefdirigent*in nur zu 36,8 Prozent mit Frauen besetzt.
IFiF-Projekte untersuchen Sichtbarkeit von Frauen in Kunst und Kultur
Die Daten zeigen, wie Frauen heute in Kunst und Kultur vertreten sind. Fragen der Sichtbarkeit gehen jedoch über aktuelle Repräsentanz hinaus. Mehrere Projekte der BMFTR-Förderlinie “Innovative Frauen im Fokus“ beschäftigen sich mit den Leistungen, Erfahrungen und Beiträgen von Frauen in künstlerischen Feldern – durch die Analyse aktueller Strukturen oder die Wiederentdeckung historischer Akteurinnen:
Das Projekt "Critical Faculties" beschäftigt sich mit der Sichtbarkeit von BIPOC+ FLINTA* an Kunstakademien. BIPOC+ Flinta* Lehrende sind an Kunstakademien gleichzeitig unterrepräsentiert und exponiert, sie sind als Einzelpersonen mit ihren individuellen Leistungen unsichtbar und gleichzeitig hypervisibel. Das Projekt befasst sich mit dieser Ambivalenz von Sichtbarkeit und untersucht strukturelle Barrieren auf dem Weg in Professuren und den Umgang mit den erlebten Barrieren.
Das Projekt "Lost in Archives" begibt sich in Archiven auf die Suche nach Dramatikerinnen, Literaturkritikerinnen, Übersetzerinnen und Verfasserinnen von Militärliteratur, deren Leistungen vergessen, übersehen oder abgewertet wurden. Mit verschiedenen Formaten macht das Projekt eine (erneute) Sichtbarkeit und Wiederentdeckung vergessener Leistungen in diesen Männerdomänen möglich.
Das Projekt "Malerinnen_Videos" zeigt, wie digitale Formate Kunstgeschichte neu erzählen können und wie die Verbreitung über YouTube als niedrigschwellige, internationale Plattform dazu beiträgt, vergessene und verdrängte Künstlerinnen wieder sichtbar zu machen. Im Zentrum stehen 100 Kurzporträt-Videos, die das Leben und Werk von Malerinnen vergangener Jahrhunderte vorstellen.
Das Projekt UN/SEEN macht die bislang oft übersehenen Beiträge von Frauen im Grafikdesign sichtbar. Eine digitale Datenbank dokumentiert rund 300 Designerinnen, Typografinnen und Illustratorinnen aus der Zeit vor dem Bauhaus (1865–1919) und bietet einen fundierten Einblick in ihre Arbeiten und Biografien.
Quellen: Statistisches Bundesamt 2026, Künstlersozialkasse 2026, Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit 2026, Deutscher Bühnenverein 2024